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Orthopädie für Hausärzte

von: Sandra Krüger

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2013

ISBN: 9783456952734 , 235 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Mac OSX,Windows PC,Linux

Preis: 35,99 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

Für Firmen: Nutzung über Internet und Intranet (ab 2 Exemplaren) freigegeben

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Orthopädie für Hausärzte


 

1 Allgemeines

1.1 Die Bedeutung des Hausarztes

Die Vorteile des Hausarztes sind, dass er die Patienten häufig seit Langem, manchmal schon seit der Kindheit kennt, oft auch ihre Familienangehörigen und die sozialen Strukturen, in die der Patient gebettet ist. Das ist die Voraussetzung, dass sich eine vertraute Arzt-Patienten-Beziehung entwickeln kann. Damit ist dem Hausarzt eine ganzheitliche Beurteilung seiner Patienten, nicht nur physisch und psychisch, sondern auch im sozialen Kontext leichter möglich. Dies hat für ihn den Vorteil, dass er zum Experten über die Behandlung seiner Patienten wird, deren Besonderheiten er genau kennt. Er kann den Patienten einen auf ihre individuellen Bedürfnisse ausgerichteten Behandlungsplan anbieten. Neben der Entwicklung eines Therapieplans – gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit dem Facharzt – obliegt es dem Hausarzt, den Patienten auch «sozial» zu begleiten. Aus Verletzungen oder Erkrankungen können sich Folgen für die Berufsund Erwerbsfähigkeit ergeben. Der Facharzt kann mittels durchgeführter diagnostischer, gegebenenfalls bildgebender Methoden, des Erkrankungsverlaufs und des Rehabilitationserfolgs prognostizieren, welchen Belastungen der Patient zukünftig noch gewachsen sein wird. Der Hausarzt sorgt dann dafür, dass die Reintegration bzw. soziale Absicherung des Patienten in Gang gebracht wird. Unabhängig davon wird die Behandlung und Rehabilitation in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Orthopäden fortgesetzt.

In den deutschsprachigen Ländern hat der Hausarzt zum Glück nicht allein die Funktion eines «Gatekeepers» oder «Patientenverteilers». Er ist die erste Ansprechperson bezüglich gesundheitlicher Fragen und nimmt durch seine Qualifikation eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem ein. Seine Fähigkeiten erlauben eine breite umfassende Behandlung vieler Patienten mit unterschiedlichsten Erkrankungen. Der Allgemeinmediziner ist sozusagen Fachmann in allen Gebieten der Medizin, verfügt er noch einzig über so allumfassendes Wissen. Trotzdem werden Sie sich manchmal die Frage stellen, wie ein bestimmter Patient weiterbehandelt werden kann. Das Buch kann Ihnen helfen, dass Sie Ihre Patienten nicht bei den ersten Schwierigkeiten zum Fachspezialisten überweisen müssen. In diesem Buch finden Sie wertvolle Informationen, die Ihnen helfen, sich als Hausarzt für die Betreuung orthopädischer Patienten gut zu rüsten, und hilfreiche Empfehlungen, die Ihnen aufzeigen, in welchen Fällen Sie Fachärzte zur Behandlung hinzuziehen sollten. Das heißt nicht, dass Sie bisher alles falsch gemacht haben. Aber die Orthopädie ist wie die gesamte Medizin und auch andere Bereiche des Lebens einem ständigen Wandel unterworfen. Aktuelle Informationsbedürfnisse und -wünsche werden hoffentlich, soweit es dem Medium Buch möglich ist, erfüllt.

Als Hausarzt können Sie sehr vieles tun, was Ihnen Ihre Patienten danken werden! Nur in der fachübergreifenden Zusammenarbeit ist eine optimale Versorgung Ihrer Patienten möglich. Der Facharzt für Orthopädie muss nicht zwingend regelmäßig den Gonarthrose-Patienten sehen, der keine akuten Probleme hat. Ein solcher Patient wäre in der hausärztlichen Versorgung besser aufgehoben. So hat der Orthopäde wiederum mehr freie Kapazitäten, Patienten zu betreuen, die den Hausarzt überfordern.

Aufgrund Ihrer Ausbildung und Ihres Wissens könnten Sie die meisten orthopädischen Patienten autark behandeln, jedoch profitieren die Patienten erst von einem zuverlässigen Netzwerk, einer intensiven Zusammenarbeit mit Orthopäden und Ärzten anderer Fachrichtungen (z.B. Rheumatologen, Neurologen, Pädiatern) in Praxis und Krankenhäusern, sowie der Kooperation mit anderen Berufsgruppen (z.B. Sozialarbeitern, Therapeuten, Psychologen). Der Hausarzt steht als Generalunternehmer für den Patienten im Zentrum dieses Netzwerkes, das es herauszubilden, weiterzuentwickeln, zu pflegen und zu fördern gilt.

Orthopäden sind vielleicht sogar mehr als andere Fachrichtungen auf den Hausarzt und seine Zusammenarbeit und Unterstützung angewiesen, da die therapeutischen Bemühungen nur durch eine optimale Vorund Nachbehandlung erfolgreich sein können.

1.2 Stellung und Bedeutung der Orthopädie in der Allgemeinmedizin

Beim ersten Arztbesuch junger Menschen stehen orthopädische Krankheiten an erster Stelle. Schmerzen, Überlastungserscheinungen und Verletzungen an den Extremitäten und dem Achsenskelett gehören zu den häufigsten Ursachen, weshalb Patienten ihren Hausarzt aufsuchen (s. Abb. 1-1). Viele davon kann dieser selbst beraten und behandeln. Unfallverletzungen, Verletzungsfolgen, degenerative Erkrankungen von Gelenken, Rückenbeschwerden und die sogenannten rheumatischen Krankheiten machen zahlenmäßig einen Hauptanteil aller behandlungsbedürftigen Krankheiten aus. Die Mehrzahl dieser Patienten sucht früher oder später wegen ihrer Beschwerden einen Arzt, meist zuerst ihren Hausarzt, auf. Im vorgerückten Alter bleibt kaum jemand von degenerativen Erkrankungen am Bewegungsapparat und entsprechender Behinderung verschont. Mit der Zunahme des Anteils alter Menschen an der Bevölkerung steigt die Anzahl orthopädischer Patienten ständig. Die Orthopädie hat in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche Ausweitung erfahren. Ihre volkswirtschaftliche Bedeutung lässt sich an der finanziellen Belastung der Unfallund Invalidenversicherungen aus Schäden des Bewegungsapparates, also aus «orthopädischen» Krankheiten erkennen. Die heutige Orthopädie kann ihren Patienten eine breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten anbieten. In der Orthopädie geht es nicht um Lebensverlängerung, sondern um Verbesserung der Lebensqualität, der Leistungsund Arbeitsfähigkeit und um die Erhaltung der Selbständigkeit, d.h. Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Diese Maßnahmen haben auch ökonomisch und volkswirtschaftlich einen positiven Effekt. Längst nicht alle orthopädischen Patienten brauchen eine spezifische Behandlung. Und von diesen braucht nur ein kleiner Teil eine Operation (man schätzt etwa 5%). Was aber alle brauchen, ist eine kompetente Beratung und Betreuung. In der Orthopädie lässt sich die Diagnostik mit den einfachsten Methoden vorantreiben. Meist sind Anamnese, klinische Untersuchung, Röntgen oder Sonografie schon ausreichend, um eine Diagnose stellen und die entsprechende Therapie einleiten zu könnnen. Die größte Bedeutung kommt in der Orthopädie dem Befragen (Zuhören), Beobachten sowie der visuellen und manuellen Befunderhebung zu. Die meisten der Patienten, die den Hausarzt wegen orthopädischer Probleme aufsuchen, können Sie selbst effizient behandeln! Dazu benötigen Sie Wissen, das einfach praktikabel und somit in der Praxis umsetzbar ist. Mit diesem Wissen ist nicht das detaillierte Fachwissen des Spezialisten gemeint, auch nicht außergewöhnliche Raritäten, die auch der Orthopäde nur einmal im Jahr sieht und nicht die neuesten Modeerscheinung aus Diagnostik und Therapie, deren Langzeiteffekt noch niemand absehen kann. Nützlich für den Hausarzt sind praktisch brauchbare Informationen über häufig auftretende Probleme. Orthopädisches Wissen wurde dazu ausgewählt und zusammengefasst mit konsequenter Ausrichtung auf den Praxisgebrauch. Dem Hausarzt soll evidenzbasiertes und auf die Ansuchen des Patienten zugeschnittenes, für die Praxis entscheidendes Wissen vermittelt werden.

1.3 Leitsätze

Die Leitsätze beinhalten Merksprüche, «To dos» und «Not To Dos» aus Diagnostik und Therapie. Beim Erkennen von «Red Flags» können sie eine Hilfe sein. Sie berichten in aller Kürze vorab über interessante Zusammenhänge aus der Physiologie und der Schmerzbehandlung. Sie erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1.3.1 Diagnostik

«Don’t touch the patient – state first what you see” (William Osler)

Beobachtung ist die Untersuchungsmethode, die gerade in der Orthopädie in der kürzesten Zeit am meisten Information liefert! Diese Chance sollten Sie unbedingt nutzen.

Klagt ein Kind über Schmerzen im Knie, vergiss die Untersuchung der Hüfte nie!

Bei Schmerzen im Kniegelenk oder Oberschenkelbereich bei Kindern und Jugendlichen muss immer auch das Hüftgelenk untersucht werden (s. Kap. 2.3.5, S. 35 und Kap. 2.3.6, S. 36). Gerade bei Kindern können Hüftschmerzen auch auf das Knie projiziert werden. Das lässt sich mit dem Verlauf des N. obturatorius erklären. Hat das Kind bei der Untersuchung Schmerzen oder die Beweglichkeit ist eingeschränkt, sollten Sie die Diagnostik vorantreiben, gegebenenfalls mit Bildgebung. Sie sollten immer beide Knie untersuchen, um einen Vergleich zu haben. Auch Probleme im Bereich der Lendenwirbelsäule, können sich als Knieschmerzen äußern.

Müssen wir tatsächlich immer alles machen, was technisch möglich ist?

Hier ist die Antwort ein ganz klares Nein! Wir müssen immer auch die Grenzen, Gefahren, Risiken und Nebenwirkungen von den angewandten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen im Auge behalten. Ein Lipom als Tastbefund muss nicht zwangsläufig mittels Kernspintomografie gesichert werden. Der Elektromyografie sollten die Muskelfunktionstests vorangestellt werden, unter Umständen kann man dann auf die apparative Diagnostik sogar verzichten.