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Handbuch Beratungskompetenz - Mit Übungen zur Entwicklung von Beratungsfertigkeiten in Bildung und Beruf (Berater und Ratnehmer, Band 18)
4.2 Modell der lösungsorientierten Beratung (S. 179-181)
Wenn ich mich auf das Problem konzentriere, wird es größer; wenn ich mich auf die Lösung konzentriere, wird diese wirkungsvoller. (Alcoholics Anonymous)
In der Praxis der Berufsberatung, der Laufbahnberatung und der Schulberatung hat der Berater in aller Regel nicht genügend Zeit für eine länger andauernde, eingehende Beratung mit entsprechenden Hilfen. Die lösungsorientierte Beratung bietet als einzigartige Methode den Klienten die Möglichkeit zu einer Problemlösung in relativ kurzer Zeit. Dabei werden Schüler, Studenten, Arbeitssuchende, Menschen, die mit ihrem Beruf unzufrieden sind und andere Zielgruppen ermutigt, ihre eigenen Stärken und Potenziale einzusetzen. Diese Fokussierung auf die Stärken und den Einsatz der eigenen Möglichkeiten ist der Schlüssel der lösungsorientierten Beratung.
Die Berater müssen die Überzeugung ausstrahlen, dass der Klient es besser machen kann. Spätestens seit den Arbeiten Rosenthals (1966) über den Einfluss der Erwartungshaltung des Versuchsleiters auf den Ausgang eines Experiments wissen wir per Analogieschluss, dass positive oder negative Voreingenommenheiten des Beraters die Beratungsergebnisse beeinflussen. Als Folge daraus konzentrieren die lösungsorientierten Berater ihre positiven Erwartungen auf Stärken und Handlungsmöglichkeiten ihrer Klienten.
Darüber hinaus gibt es aber noch eine Reihe anderer Voraussetzungen für diese Form der Beratung (vgl. Ertelt, Schulz 1997, S. 182ff.).
4.2.1 Grundlegende Annahmen
1. Veränderung ohne vertiefte Selbsteinblicke
Oft wird zuviel Zeit für die Förderung des Selbsteinblicks aufgewandt und nicht genug Zeit für das Lernen, wie wichtige Veränderungen vorzunehmen sind. Tatsächlich kann das Wissen um bestimmte Symptome als Entschuldigung für das Nicht-Handeln benutzt werden. Also, Verbesserungen können auch ohne vertiefte Selbsteinblicke erfolgen.
2. Klienten-eigene Zielsetzungen motivieren besser
Wenn Berater Ziele setzen und in die Rolle von Experten schlüpfen, übernehmen sie eine schwere Bürde. Sie können kaum darauf vertrauen, tragfähige Lösungen für alle Situationen, denen sich der Klient ausgesetzt sieht, anbieten zu können. Wenn jedoch Klienten Ziele selbst setzen, etwa in Bezug auf die Frage "Was muss anders sein" und man die Zeit für die Besprechung der Wege dahin nutzt, werden sich die Klienten ihrer Fähigkeit zur Eigenaktivität eher bewusst.
3. Begrenzung der Problemanalyse
Es ist nicht erforderlich, alles über ein Problem zu wissen um helfen zu können. Manchem Klienten fällt es leichter, einen Berater aufzusuchen, wenn er weiß, dass er sein Problem nicht so detailliert darlegen muss. Wenn in der Beratung über das Problem gesprochen wird, weitet sich dieser Aspekt aus; wird mehr über Lösungen gesprochen, werden diese wahrscheinlicher.
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