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Die Bedeutung von Namen in Kinderbüchern. Eine Studie zur literarischen Onomastik im Spannungsfeld zwischen Autor und Leser
II Theoretische und methodische Grundlage (S. 15-16)
1. Forschungskontext und Entwicklung des Forschungsvorhabens
In dieser Untersuchung sollen unter dem Aspekt der Namenwirkung alle an der literarischen Kommunikationssituation beteiligten Komponenten berücksichtigt werden. Damit wird im Sinne der wissenschaftlichen Erforschung der Wirkungsästhetik untersucht, wie sich das Sprachelement ‚literarischer Personenname‘ im „Spannungsfeld von Intentionalität, Potentialität und Realität“ in Bezug auf den Bedeutungsgehalt entfaltet (Nünning 2001: 678). Die Intentionalität, also die beabsichtigten, mit dem Namen übermittelten Bedeutungsaspekte, wird dabei an den Aussagen der Autoren als Namengeber festgemacht; die Potentialität, die generell möglichen, in einem Namen wirkenden Bedeutungsaspekte, wird mithilfe der Namenkorpusanalyse untersucht; und die Realität, womit die tatsächlich von den Rezipienten wahrgenommenen Aspekte gemeint sind, soll durch das Zielgruppenexperiment zur Nameneinschätzung analysiert werden. Da diese umfassende Betrachtung bisher nicht im Mittelpunkt literarisch-onomastischer Forschungsarbeiten stand, muss vorab in Analogie zu anderen Bereichen der Onomastik ein eigenes Forschungsdesign entwickelt und begründet werden.
Die Bereiche der Vornamengebung und der Produktnamenschöpfung bieten sich dazu nicht nur wegen ihrer bereits erfolgten Auseinandersetzung mit der Rolle der Namengeber und Namenrezipienten als Referenzbereiche an. Sie zeichnen sich zudem dadurch aus, dass Namen in diesen Bereichen aus einer ähnlich großen Vielfalt an Benennungsmotiven gewählt werden wie es auch bei literarischen Namen der Fall ist. Welche Motivation zugrunde liegt, kann allerdings je nach Untersuchungsbereich sehr verschieden und unterschiedlich deutlich an den Namen ablesbar sein. Worauf diese Differenzen zurückzuführen sind, wird in den folgenden Teilkapiteln näher erläutert werden. Trotzdem liefern die angrenzenden Forschungsbereiche wertvolle Anregungen und Erkenntnisse für die vorliegende Untersuchung.
Als Vorbereitung für die empirischen Analysen in dieser Arbeit soll zunächst eine Strukturbeschreibung von Vor-, Produkt- und literarischen Namen erfolgen. Nachdem beschrieben worden ist, welche erprobten Verfahren der Namen- und der Wortbildung es bei Vor- und Produktnamen gibt, werden diese mit den literarischen Bildungsverfahren verglichen. Dabei wird immer zu prüfen sein, ob die Namenmerkmale auch aus einer bestimmten Motivation heraus von den Namengebern gewählt wurden und wie Namenforscher ihre gewonnenen Ergebnisse begründen konnten. In den folgenden Unterkapiteln wird ausführlich geschildert, dass die Namengebungsmotive von Autoren mit denen von Eltern und Produzenten vergleichbar sind. Als einleitende Überlegung dazu soll das Hauptmotiv für alle Benennungen kurz betrachtet werden.
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