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Kognitive Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen und unflexiblen Persönlichkeitsstilen
3 Der anhängliche Persönlichkeitsstil – die dependente Persönlichkeitsstörung (S. 74)
3.1 Psychoedukativer Teil
Der anhängliche Stil wird unter dem Motto „Der gute Kumpel" eingeführt (Oldham & Morris, 1992).
Beschreibung des Persönlichkeitsstils mit seinen Stärken und Risiken/Schwächen
Mittels anschaulicher Beispiele werden gemeinsam mit den Gruppenteilnehmern die Merkmale des anhänglichen Stils erarbeitet. Im Anhang A, S. 129 befindet sich dazu nochmals eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten und prägnantesten Aspekte, die einen anhänglichen Menschen/Stil ausmachen (modifiziert nach Oldham & Morris, 1992). Unter Berücksichtigung verschiedener Lebensbereiche sollen dabei neben den bestehenden Stärken (z.B. Fähigkeit Bindungen einzugehen) auch mögliche Schwächen und Risiken (z.B. Schwierigkeiten selbständig Entscheidungen zu treffen) transparent gemacht.
Beziehungen: Der Schlüsselbereich – Meine Welt bist du. Anhängliche Menschen übernehmen die Bedürfnisse anderer. Ihr Leben wird eindeutig von dem Bereich „Beziehungen" dominiert. Andere Menschen sind der Sinn ihres Daseins. Sprachlich äußert sich dies häufig, indem diese Menschen sagen „Ich bin glücklich, wenn du es bist." Sie können leicht Beziehungen eingehen und machen es sich zur Hauptaufgabe, den wichtigen Bezugspersonen zu gefallen. So sind sie z.B. begabte Gastgeber, indem sie die Bedürfnisse anderer vorwegnehmen zu scheinen. Sie nehmen Unannehmlichkeiten auf sich, damit Nahestehende diese nicht ertagen müssen. Oft leisten sie einen größeren Anteil an Arbeit und Opfer, um Beziehungen aufrechtzuerhalten – ohne Leistungen gegeneinander aufzurechen. Große Entscheidungen überlassen anhängliche Menschen lieber ihrem Partner („Was immer du willst, Liebling"). Im Extremfall unterwerfen sich diese Menschen völlig, geben alle eigenen Interessen auf. Dabei besteht je nach Ausprägung des Stils, die Gefahr, sich mit tyrannischen Partnern zusammen zu tun, sich ausnutzen und misshandeln zu lassen. Ihrem Partner werden sie selten überdrüssig, im Gegenteil, sie idealisieren ihn eher und stellen ihn auf ein Podest. Gerne beziehen sie den Partner in alle Bereiche des Lebens ein („Wie gefällt dir das Kleid?"). Kritik nehmen sie sehr ernst und zeigen sich besserungswillig. Für Missstände und Schwierigkeiten fühlen sie sich schnell persönlich verantwortlich.
Stress erleben anhängliche Menschen, wenn es zu Schwierigkeiten in der Beziehung zu wichtigen Menschen kommt. Häufig zeigt sich der Stil erst bei Beendigung einer Beziehung in seinem wahren Ausmaß.
In der Regel füllen anhängliche Menschen eine entstandene Lücke aber schnell wieder.
Gefühle, Selbstbeherrschung und reale Welt: Ein treuer Mensch.
Anhängliche Menschen sind beständig und offen, wenn sie eine gute und stabile Beziehung haben, werden allerdings ängstlich und besorgt bei einer schwierigen Beziehung. Sie können Liebe äußern und annehmen, haben aber Probleme negative Gefühle zu artikulieren. Sie neigen dann eher dazu zu grübeln, als z.B. Wut direkt zu benennen, v.a. aus Angst, den anderen dadurch zu verlieren. Insgesamt zögern sie eher ihre Meinung zu äußern, neigen dazu eigene Prinzipien über den Haufen zu werfen und sich zu ändern, um zu gefallen. Durch Bindung erleben sie Befriedigung und Zufriedenheit. Je stärker der Stil ausgeprägt ist, umso eher haben sie allerdings auch das Gefühl, den Ansprüchen des idealisierten Partners nicht zu genügen.
Sie sind wenig impulsiv und gut in der Lage, sich selbst zu beherrschen. Allerdings benötigen sie viel emotionale Bestätigung. Oft holen sie sich einen symbolischen Ersatz, z.B. über Nahrung. Andere nehmen für anhängliche Menschen einen großen Raum ein, sie selbst fühlen sich oft wie Kinder: klein und bedürftig.
Arbeit: Im Dienst der anderen. Anhängliche Menschen arbeiten gut und tüchtig, sie tun alles, was von ihnen verlangt wird, um zu gefallen. Sie haben keine Probleme Anweisungen entgegenzunehmen, sind kooperativ und teamfähig. Sie konkurrieren dabei nicht gerne. Meist sind sie nicht erpicht darauf, Entscheidungen zu treffen, sondern führen lieber aus. Probleme können entstehen, wenn ein anhänglicher Mensch aufgrund seiner guten Arbeit befördert wird und plötzlich gezwungen ist große Entscheidungen zu treffen, denen er sich nicht gewachsen fühlt.
Klärung individueller anhänglicher Einstellungen und Verhaltensweisen
Mittels eines Kurzfragebogens (s. Anhang A, S. 130) haben die Gruppenteilnehmer an dieser Stelle die Möglichkeit sich mit eigenen anhänglichen Einstellungs- und Verhaltensweisen auseinanderzusetzen und sich gegenseitig auf Grundlage der Items zu explorieren.
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