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Die Kunst zu leben (S. 4-5)
Es mutet seltsam an.
Wir alle erleben uns täglich als „am Leben seiend". Wir definieren uns über unser Leben und auch über unsere Sterblichkeit. Und dennoch fällt es den meisten von uns so unendlich schwer, lebendig zu sein, den Augenblick zu genießen und zu erkennen, das Leben voll auszukosten.
Die Kunst zu leben ist die Hohe Schule einjeder tiefen Religiosität. Ob wir uns nun als Buddhisten, Christen, Juden, Moslems, Hindus oder sonst irgendeiner Religion oder auch nur einer bestimmten Lebensphilosophie anhängend begreifen: Zu lernen, zu leben zu verste hen, ist die wichtigste Aufgabe, der wir Menschen uns zu stellen haben.
Tagtäglich sind wir mit Problemen, Sorgen, Nöten, Stimmungen konfrontiert, die uns die Notwendigkeit zu leben zu lernen, vor Augen führen. Wir erwachen des Morgens, vielleicht noch mit guten Vorsätzen, doch die Komplexität des Alltags mit all seinen Aufgaben führt die meisten von uns schnell in eine Form von gewohnter Geisteshaltung, die ein Glücklichsein, ein ‚Sich-lebendig-Fühlen’ unheimlich schwer machen. Es scheint fast so, für manche unter uns, als wäre Leben gleichbedeutend mit Problemen und nicht mit Problemlösungen.
Unser Verstand und unsere Gefühle, überfordert durch eine Komplexität, deren Bewältigung uns zu stellen wir niemals richtig gelernt haben, scheinen eine Art Eigenleben zu entwickeln, welche uns letztlich nur noch tiefer in die Schwierigkeiten des Umgangs mit Welt und Inwelt zu verstricken scheinen.
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