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1.2 Bestimmungsfaktoren des Gruppenproblemlösens (S. 25-26)
Wie schon anfangs gesagt, soll dieser Band nicht nur methodisches Wissen über das Lösen von Problemen in Gruppen vermitteln, sondern auch theoretische Kenntnisse anbieten, die es erlauben, Lösungsprozesse differenzierter zu betrachten und technische Anweisungen, wie sie in manchen "Rezeptbüchern" verkauft werden, kritischer zu beurteilen. Ferner soll er dabei helfen, die Ursachen aufzudecken und zu beseitigen, die für ein Versagen bestimmter Problemlösungsstrategien verantwortlich gemacht werden können.
Diese Intention wird dem an griffigen Ergebnissen interessierten Praktiker vermutlich missfallen, doch eine Praxis, die ihre Grenzen kennt, ist letztlich wertvoller als die naive Illusion einer perfekt funktionierenden Technik. Obwohl die Darstellung von dem Bemühen geleitet ist, ein möglichst abgerundetes Bild des Geschehens zu liefern, sind manche Vereinfachungen und Einschränkungen doch unvermeidlich. Schon die Festlegung auf ein bestimmtes Betrachtungsschema bedeutet eine Auswahl, die eben nur ein recht unvollkommenes Bild zurücklässt. Dennoch kann auf ein solches Schema nicht verzichtet werden, weil nur so für den Außenstehenden ein gewisser Überblick herstellbar ist. Das Schema, dessen wir uns hier zur Unterscheidung wesentlicher Bestimmungsfaktoren des Gruppenproblemlösens bedienen wollen, geht von drei Schwerpunkten aus.
- Der erste Schwerpunkt betrifft die individuellen Voraussetzungen der Gruppenmitglieder. Damit sind jede Faktoren gemeint, die das Individuum in die Gruppe einbringt, seine Erfahrungen, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Einstellungen usw.;
- Der zweite Schwerpunkt grenzt die Faktoren ein, die mit der aktuellen Gruppensituation zusammenhängen und dar- aus entstehen, dass eben in gemeinsamer Anstrengung ein Problem gelöst werden muss. Dazu gehören z. B. die zu diesem Zweck eingeleiteten menschlichen Beziehungen, Kommunikationsweisen, Beeinflussungsmechanismen;
- Der dritte Schwerpunkt bezieht sich auf die jeweilige Zielsetzung oder Aufgabe der Gruppe, zu deren Bewältigung man sich zusammengesetzt hat.
Diese drei Punkte werden in drei Kapiteln genauer ausgeführt. Die Aufteilung darf allerdings nicht so verstanden werden, als wären die drei Faktoren auch in Wirklichkeit getrennt auffindbar. Es handelt sich bei diesem Schema nur um eine gedankliche Isolierung von Bedingungen, die in der realen Situation untrennbar zusammenwirken.
1.2.1 Individuelle Faktoren
Bei der eingangs geschilderten Form des Problemlösens ist darauf hingewiesen worden, dass im Problemlösungsprozess im Wesentlichen "vermittelndes Wissen" bereitgestellt werden soll, das dem Problemlöser dazu dienen soll, einen Handlungsplan zu entwickeln. Jeder Plan stellt eine gedanklich vorweggenommene Lösung dar: eine Verhaltensregel (Programm), nach der die Umformung der gegebenen Situation S in die erstrebte Zielsituation Z erfolgen soll. Führt der Plan nicht zum Erfolg, so wird er verworfen und durch einen anderen ersetzt, bis das erstrebte Ziel erreicht ist.
Im folgenden Kapitel wird darauf eingegangen, wie der Einzelne an den Prozess des Problemlösens herangeht und wie sich Eigenschaften des Individuums auf den Problemlösungsprozess auswirken.
1.2.1.1 Das Erkennen von Problemen
Als Vorbedingung für eine Problemlösung sind wir bisher davon ausgegangen, dass eine Forderung in Form einer Aufgabe oder einer unerwarteten Schwierigkeit an den Problemlöser herangetragen wird. Diese gleichsam "passive" Problementstehung kann noch ergänzt werden durch eine eher "aktive", bei der eine zunächst intakt erscheinende Situation problematisiert wird. In einem solchen Fall muss die Inkongruenz zwischen Soll- und Ist-Zustand nicht offensichtlich sein. Allein die kritische Hinterfragung scheinbar funktionierender Zustände und Handlungen, lediglich die Frage: "Warum so und nicht anders?" können einen solchen Problemlösungsprozess anregen.
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