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6 Selbstführung – Umgang mit inneren Konflikten ( S. 119)
Die Klärung innerer Konflikte unterstützt, dass der eigene Zwiespalt nicht zur Desorientierung und zu Konflikten in der Gruppe führt. Dies gilt letztendlich für jedes Gruppenmitglied, ist aber für den Leiter von besonderer Bedeutung. Zwiespalt ist eine innere Zerrissenheit, also der Zustand, wenn die Entscheidung über das weitere Verhalten gespalten ist in zwei (»zwie«) oder mehrere Handlungsmöglichkeiten, die sich zumindest teilweise gegenseitig ausschließen. Er ist also das Gegenteil zur – tatsächlichen oder vermeintlichen – Eindeutigkeit, in der keine Verhaltensalternativen bestehen bzw. gesehen werden.
Ein Teil des sich daraus ergebenden Konflikts besteht in der Notwendigkeit, sich entscheiden zu müssen. Dabei bedeutet die Wahl des einen in der Regel den Verzicht auf das andere. Die Entscheidung ist einfach, also eindeutig, wenn nur bei einer der Alternativen ein Vorteil gesehen wird, dann ist es leicht, die andere abzulehnen. Der wirkliche Konflikt besteht also, wenn jede Möglichkeit ihr Für und Wider hat und so die Entscheidung erschwert wird. In diesem Kapitel soll zunächst auf Entscheidungsprobleme, die sich im Gruppenleiten ergeben können, eingegangen werden, sowie auf Aspekte ihrer Auflösung.
6.1 Einstellung zum Konflikt
Zuvor soll die Aufmerksamkeit noch auf die eigene Einstellung gegenüber solchen Konflikten gelenkt werden: Wird bereits das Vorliegen einer solchen Entscheidungsnotwendigkeit als Problem gesehen, so erhöht sich die Schwierigkeit und der innere Druck. Oftmals ist dann die betreffende Person blockiert, wie gelähmt und unfähig, ihrem Handeln eine klare und eindeutige Richtung zu geben. Anders stellt sich das dar, wenn in der Vielfalt die Chance und die Freiheit gesehen wird, Auswahlmöglichkeiten zu besitzen, auf komplexe Situationen reagieren zu können.
In aller Regel ergeben sich diese Konfliktsituationen, wenn im Gruppenprozess mehrere Strömungen wirksam sind. Der Gruppenleiter hat hier die Möglichkeit, durch seine Akzentuierung dem weiteren Verlauf eine Richtung zu geben. Je gelassener er einem solchen Moment gegenübersteht, umso eher kann er auch eine sinnvolle Lösung zulassen. Konflikte können auch als Reichtum aufgefasst werden, wenn die Person erkennt, dass sie nicht nur zwanghaft reagieren muss, sondern selbstständig agieren kann.
Eine solche Haltung fördert in der Regel den Mut zur Entscheidung und damit die Souveränität im Leiten. Diese Einstellung in sich zu stabilisieren, ist ein Teil der Selbstführung im Sinne von TZI, die Akzeptanz des Chairman-Prinzips (vgl. Kapitel 2.4). Im Verlauf der Teamsitzung können sich eine Fülle solcher Konflikte, Entscheidungsnotwendigkeiten, ergeben.
Beispiel
• Einerseits stimme ich mit den Ansichten nicht überein, andererseits möchte ich meinem Freund nicht in den Rücken fallen.
• Einerseits lehne ich die Art, wie dies gesagt wird, ab, andererseits scheue ich die heftigen Reaktionen des Betreffenden, wenn man ihm nicht uneingeschränkt zustimmt.
• Einerseits wäre jetzt eine Pause sinnvoll, andererseits möchte ich gerne das Thema zu Ende bringen.
• Einerseits würde ich gerne auf die Nebenbemerkungen des anderen eingehen, andererseits halte ich es für wichtig, zum Hauptthema zurückzukehren.
• Einerseits ist das Sachthema spannend, andererseits kommt der Gruppenprozess zu kurz.
• A und B vertreten vehement unterschiedliche Ansichten, wie soll ich mich entscheiden, wenn ich es mit keinem verderben möchte?
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