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Studienbuch Pädagogische Kommunikation

Studienbuch Pädagogische Kommunikation

von: Hein Retter

Klinkhardt, 2000

ISBN: 9783781510593, 393 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 21,50 EUR

  • Erlebnis- und Abenteuerpädagogik
    Souveräne Gesprächsführung und Moderation
    Kinderkriminalität - Chancen einer grundlegenden Prävention
    Pädagogisches Grundwissen
    Finanzbuchhaltung und Jahresabschluss

     

     

     

     

 

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Studienbuch Pädagogische Kommunikation


 

2.4 Die Theorie des kommunikativen Handelns (Jürgen Habermas) (S. 46-47)

2.4.1 Einleitung

Zur Biographie: Jürgen Habermas, geb. 1929, studierte von 1949 bis 1954 in Göttingen, Zürich und Bonn. Er promovierte 1954 bei Erich Rothacker mit einer Arbeit über Schelling, war in den nächsten zwei Jahren freier Journalist und wurde 1956 Assistent von Theodor W. Adorno am Frankfurter Institut für Sozialforschung. Von 1959 bis 1961 nahm er ein Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft wahr und habilitierte sich 1961 bei Wolfgang Abendroth an der Universität Marburg mit der Schrift “Strukturwandel der Öffentlichkeit”. Er war von 1961 bis 1964 außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Heidelberg und wurde 1964 als Professor für Philosophie und Soziologie in Frankfurt Nachfolger Max Horkheimers. Von 1971 bis 1981 war Habermas gemeinsam mit Carl-Friedrich von Weizsäcker Direktor des Starnberger Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen in der wissenschaftlich- technischen Welt. Ab 1982 lehrte er wieder in Frankfurt/M. Soziologie und Philosophie; die Emeritierung erfolgte 1994. Habermas erhielt zahlreiche Ehrungen, 1989 die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg.

Habermas galt Ende der sechziger Jahre als jüngster Vertreter der Kritischen Theorie, jener einflußreichen geistigen Strömung der sogenannten “Frankfurter Schule”, die Philosophie als neomarxistisch orientierte Gesellschaftskritik betrieb und in Horkheimer, Adorno und H. Marcuse ihre Hauptvertreter hatte. Der Antrieb zur Reformulierung wesentlicher Elemente der Marxschen Theorie war bei Habermas noch in der ersten Hälfte der siebziger Jahre deutlich erkennbar (vgl. Habermas 1973, S. 7; 1976, S. 9) und trat dann zurück, ohne völlig verloren zu gehen. Im Jahr 1981 veröffentlichte Habermas die “Theorie des kommunikativen Handelns”. Mit ihr hatte er sich von neomarxistischen Positionen der nun historisch gewordenen “Frankfurter Schule” endgültig gelöst. Das Anliegen einer kritischen Gesellschaftstheorie erschien nun unter zwei neuen Leitbegriffen: “System” und “Lebenswelt” (vgl. Habermas 1995a, Bd. 2, S. 173 ff.). Aber dieses Anliegen bildet nur Hintergrund und Abschluß des Projektes. Im Vordergrund steht eine soziologisch, sprachphilosophisch und argumentationstheoretisch begründete Theorie der Kommunikation, die viele Anknüpfungspunkte bietet. Die Theorie kommunikativen Handelns beinhaltet eine Gesellschaftstheorie, die verpflichtet ist:

• dem Erbe der Aufklärung (Vernunft, Rationalität, Fortschritt, Freiheit und Gerechtigkeit als universale Grundideen der Moderne);
• der lebensweltlichen Philosophie Husserls;
• der Theorie der Rationalisierung Max Webers;
• der analytischen Sprachphilosophie im Anschluß an Wittgenstein, Austin und Searle;
• dem amerikanischen Pragmatismus (insbesondere der Philosophie Charles S. Peirces);
• einem Demokratieverständnis, wie es sich in den Bürgerrechtsbewegungen der USA in den sechziger und siebziger Jahren präsentierte.

Habermas sah die moderne demokratische Gesellschaft als Institution, in der die zu fällenden Entscheidungen weder durch Berufung auf Tradition oder Weltanschauung noch durch das Recht des Stärkeren durchgesetzt werden können. Entscheidungen über Sachverhalte und gesellschaftliche Normen unterstehen in der modernen Demokratie vielmehr ständig dem öffentlichen Diskurs.

In rationaler Argumentation, welche es fast immer mit kontroversen Standpunkten zu tun habe, sind von den Betroffenen alle relevanten Begründungszusammenhänge für Entscheidungen offenzulegen: Das angemessenste bzw. vernünftigste Argument habe die größte Chance, Grundlage der zu treffenden Entscheidung zu sein.