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11 (S. 33-34)
Claire ist die Leiterin der Rechtsmedizin von San Francisco, eine exzellente Pathologin, eine Meisterin der Intuition, eine ziemlich gute Cellistin, seit zwanzig Jahren verheiratet, Mutter von zwei Jungen – und schlicht und einfach meine beste Freundin im ganzen Universum. Vor vierzehn Jahren waren wir uns am Fundort einer Leiche zum ersten Mal begegnet, und seitdem hatten wir mehr Zeit miteinander verbracht als so manches Ehepaar. Und wir verstanden uns auch besser.
Jetzt fi elen wir uns dort im Parkhaus um den Hals und stärkten uns an der Liebe, die wir füreinander empfi nden. Als wir uns endlich aus unserer Umarmung lösten, stemmte Claire die Hände in die Hüften und nahm den Tatort in Augenschein. »Also, Lindsay«, sagte sie, »wer hat denn diesmal das Zeitliche gesegnet?«
»Im Moment läuft sie noch unter Jane Doe. Sieht aus, als wäre sie das Opfer eines durchgeknallten Perfektionisten geworden, Claire. Wie aus dem Ei gepellt. Aber wir wollen mal hören, was du dazu sagst.«
»Na ja, schauen wir mal, dann sehen wir schon.«
Claire ging mit ihrem Koffer zu dem Wagen und machte rasch ihre eigenen Fotos. Nachdem sie die Lage des Opfers aus allen Winkeln dokumentiert hatte, stülpte sie Papiertüten über die Hände und Füße der jungen Frau und befestigte sie mit Klebeband.
»Lindsay«, rief sie mich, als sie fertig war, »komm und sieh dir das mal an.«
Ich zwängte mich in die enge Lücke zwischen Claire und der Autotür. Claire zog zuerst die Oberlippe des Mädchens hoch, dann klappte sie die Unterlippe herunter und zeigte mir im Schein ihrer Stablampe die Blutergüsse an den Innenseiten.
»Siehst du das, Schätzchen? Ist die junge Dame vielleicht intubiert worden?«, fragte Claire.
»Nein. Die Sanitäter haben sie nicht angerührt. Wir haben auf dich gewartet.«
»Diese Verletzungen wurden ihr also vor dem Tod beigebracht. Sieh dir ihre Zunge an. Scheint mir eine Schnittwunde zu sein.«
Claire richtete ihre Lampe auf die Furche, die sich um den Hals des Mädchens zog.
»Ungewöhnliche Drosselmarke«, stellte sie fest. »Das habe ich mir auch gedacht. Ich sehe gar keine Petechien in den Augen«, sagte ich. Ich konnte auch mit Fachausdrücken um mich werfen. »Seltsam, nicht wahr? Wenn sie erdrosselt wurde?«
»Das ist alles sehr seltsam, meine Gute«, erwiderte Claire. »Ihre Kleidung ist makellos. Das sieht man nicht oft bei Mordopfern. Eigentlich nie.«
»Todesursache? Todeszeitpunkt?«
»Ich würde sagen, sie ist irgendwann gegen Mitternacht gestorben. Die Leichenstarre setzt gerade ein. Abgesehen davon weiß ich auch nur, dass das Mädchen tot ist. Ich werde dir mehr sagen können, wenn ich mir die junge Dame bei anständi - ger Beleuchtung in unserem kleinen Horrorladen angesehen habe.«
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