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S. 79-80
Die Hunde sind unruhig, vor allem Wagner. Vielleicht war es zu viel, sie für zwei Wochen bei den Barths abzuliefern, aber sonst hat es immer funktioniert. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass Erich nicht mehr da ist, ja, natürlich: eine Art angehäufte Sehnsucht, die an die Oberfläche steigt, wenn auch ich eine Zeit lang verschwunden bin. Auch ich ertappe mich dabei, dass ich ihn manchmal ein wenig vermisse. Erich, meine ich. Auch wenn wir in den letzten Jahren kein Liebesleben mehr hatten und einander eigentlich nie besonders nahe waren, so hat es doch gute Momente gegeben. Diese Erkenntnis kommt mir spät, vielleicht können wir uns selbst ja nur aus der Rückschau verstehen. Als ich mich für Erich entschieden habe, habe ich nicht Feuer oder Abenteuer gesucht, natürlich nicht, aber das Leben baut ja auch nicht vorrangig auf diesen Elementen auf. Sondern es fordert ihr Vorhandensein auf eine andere Weise. Als eine Art... ja, wie soll ich es nennen?... eine Art imaginärer Begleiter vielleicht?
Als Möglichkeiten, die in den Kulissen stehen und dort auf ihren einen Auftritt warten. Falls es sich ergibt. Gerede. Ich bin müde. In New York konnte ich nicht schlafen. Das kam sicher vom Jetlag, aber andersherum ist es auch nicht besser. Oft bin ich gegen drei Uhr nachts aufgewacht und konnte dann stundenlang nicht wieder einschlafen. Versuchte zu lesen, aber meine Konzentration ließ mich im Stich. Schrieb zwei Briefe an Henny, riss sie dann aber in Fetzen. Am Ende habe ich mir meistens miese Filme im Fernseher angesehen oder auf meinem Discman Musik gehört. Coltrane und Dexter Gordon, zwei von Erichs Lieblingen, die ich übernommen habe. Da saß ich dann über den Magritteartigen Unwegsamkeiten des Central Park und versuchte mir vorzustellen, was die Zukunft bringen wird. Wie das Leben in drei oder sechs oder zwölf Monaten aussehen wird. Ich empfand keine Unruhe, das tue ich auch jetzt nicht, ich verspürte nur eine Art zurückhaltender, widerwilliger Faszination.
Ich hätte nicht damit gerechnet, noch einmal morden zu müssen, aber so ist es nun offenbar – diese Dinge sind eben unvorhersagbar, offenbar stehen jetzt andere Begleiter in den Kulissen, und wenn sie dann irgendwann hervortreten und sich vorstellen, haben wir plötzlich keine Wahl mehr.
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