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Denn sie wusste nichts vom Heiligen Geist, sondern glaubte an Fräulein Wuhrmann (S. 230-231)
Der Beitrag von Anna Wuhrmann für eine partnerschaftliche, dialogfähige Missionstheologie
Magdalena Zimmermann
Entrüstet und doch in liebevoller Solidarität schildert Anna Wuhrmann1, wie sie am Taufexamen eine Bewerberin zurückweisen musste, weil sie eben nichts wusste vom Heiligen Geist, sondern an Fräulein Wuhrmann glaubte.2 Die, wenn auch dogmatisch nicht korrekte Antwort dieser Taufbewerberin zeigt meines Erachtens den tiefen Eindruck, den Anna Wuhrmann auf ihre Umgebung machte und die hohe Autorität die ihr zugeschrieben wurde. Von den Menschen, mit denen sie in Fumban, im Grasland von Kamerun, zusammenlebte, hat sie Fotografi en gemacht. Diese gehören zu den Schönsten ihrer Zeit und verbinden auf einmalige Weise die Mission mit der Kunst.
Im Folgenden gehe ich auf die Biographie von Anna Wuhrmann ein, erläutere anhand ausgewählter Fotografi en ihre Wahrnehmung der Menschen im Grasland von Kamerun und würdige am Schluss ihren wesentlichen Beitrag für eine Missionstheologie, welche auf Augenhöhe mit Menschen aus anderen Kulturen und Religionen in einen partnerschaftlichen gegenseitigen Lernprozess eintritt.
1. Biographische Angaben
Anna Wuhrmann wird 1881 in Marseille geboren, verbringt aber die ersten Lebensjahre bei den Grosseltern in Winterthur, bevor sie zu den Eltern nach Basel zieht. Die Grosseltern gehören der Methodistischen Kirche an, welche ihre religiöse Biographie wesentlich prägt. Die Jahre 1895 bis 1897 verbringt sie in einem Pensionat in der französischen Schweiz. Im Lebenslauf, den sie für ihre Aufnahme an die Basler Mission schreibt, bemerkt sie zu diesem Aufenthalt: »In jenem Hause fand ich den Frieden meiner Seele.«3 In diesem prägnanten Satz fasst sie eine nicht näher beschrie- bene tiefe Erfahrung zusammen, welche sich vom Ausdruck her deutlich von den gängigen pietistisch geprägten Bekehrungserfahrungen, wie sie die Bewerberinnen und Bewerber der Basler Mission zu beschreiben pfl egten unterscheidet.
Nach der Konfi rmation tritt sie in die Methodistische Kirche ein, in welcher sie die Leitung der Sonntagsschule übernimmt. 1902 macht sie das Staatsexamen als Lehrerin und bewirbt sich, nach heftigem Ringen, 1910 als Missionarin bei der Basler Mission. Sie schreibt: »Nur langsam hat sich bei mir das Bewusstsein entwickelt, dass ich in den Dienst der Mission treten sollte. Als vor Jahren das Leben ein grosses Opfer von mir forderte, habe ich zuerst verstanden, dass Gott mich in seinen Dienst haben wollte. Vor zwei Jahren war ich nahe daran, mich einer Missionsgesellschaft anzuschliessen, jedoch wollten meine Eltern damals von der Sache nichts wissen und haben mir das Versprechen abgenommen, noch zwei Jahre zu warten.« Sie erkrankt erneut. »Da sagte ich meinem Heiland: ›Wenn du mich in deinem Dienst brauchen willst, so mache mich gesund, dann will ich gehen, wohin du mich führst.‹«6 Nach der baldigen gesundheitlichen Besserung ist für sie der Weg klar und sie muss nur noch warten, bis auch ihre Eltern ihren Weg als Gottes Willen erkennen können.7 Die Verbindung von Opfer bringen und Mission ist in der Missionsgeschichte nicht unüblich. Was hier aber auffällt, ist die Tatsache, dass nicht Gott ein Opfer fordert, sondern Anna Wuhrmann ein wohl tiefgreifendes, uns nicht näher bekanntes Ereignis, als Opfer des Lebens interpretiert, das sie aber in der Verarbeitung als Gotteserfahrung wahrnehmen kann.
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