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Schwinge-von-Raffat (Band Nummer: 2411)

Schwinge-von-Raffat (Band Nummer: 2411)

von: Leo Lukas

Pabel-Moewig Verlag, 2007

ISBN: perh2411ebook, 51 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 1,35 EUR

Ersparnis: 0,40 EUR

Mehr zum Inhalt

Schwinge-von-Raffat (Band Nummer: 2411)


 

5.
Die Taube auf dem Dach
(S. 32-33)

Am 24. Juli 1346 NGZ gab ESCHER das Signal zum Weiterug. Und in der Tat, dank der Parapositronik gingen die Abweichungen vom Kurs und von der angestrebten Etappenlänge zurück. Sie pendelten sich auf relativ vertretbare Werte von plus oder minus 0,7 Prozent ein.

Allerdings zu Lasten der Geschwindigkeit: War die RICHARD BURTON zuvor »geschlichen «, so kroch sie nun förmlich dahin. Mit Linear-Etappen über nicht mehr als einen Lichtmonat näherte man sich dem Ziel.

Bis die Inkonsistenzen des Raum-Zeit-Kontinuums ein Maß erreichten, das auch ESCHER, trotz seines verbesserten physikalischen Modells, nicht mehr auszugleichen vermochte. Abermals stoppte das Trägerschiff. Sämtliche nicht lebensnotwendigen Aggregate abgeschaltet, trieb es ohne aktivierten Antrieb durch das All, ein halbes Lichtjahr vor dem Koh-Raffat System.

Laut dem über Hangay in Hülle und Fülle vorliegenden Datenmaterial sollte es sich um einen Roten Riesen mit drei Planeten handeln. In der Praxis jedoch war davon kaum etwas zu orten beziehungsweise ließen sich die Ergebnisse nicht vernünftig interpretieren. Eingehende Strahlung, Signale sowie Hyperfunk wurden wie durch Milliarden Prismen zerstreut: ein Effekt, den man schon aus dem Grenzwall um Hangay kannte. Anzeichen eines Abießens von Vitalenergie gab es hingegen glücklicherweise nicht.

Dafür warnte ESCHER, dass selbst die kleinste Linearetappe Richtung Koh-Raffat mit bedenklich hoher Wahrscheinlichkeit direkt in einer der benachbarten Sonnen enden würde – egal, ob die Etappe über einen Lichtmonat oder ein Lichtjahr geplant war. Ein Sprung ins Innere des Koh-Raffat-Systems führte sogar so gut wie sicher zum Untergang in der Sonne.

Was nun?

*

»Du weißt«, sagte Atlan zu Trim Ma-rath, »dass ich dich nie zu einem solchen Experiment drängen würde. Aber hieltest du es für sinnvoll, nochmals die Bildung eines Parablocks mit Major Karsmaq zu versuchen?«

»Nein«, antwortete der Monochrom-Mutant klipp und klar. Er hatte keinen Augenblick überlegt. »Nicht zum gegebenen Zeitpunkt. Ich würde gern behilich sein, aber wir sind noch lange nicht so weit.«

»Verstehe.«

»Und allein, ohne Rückendeckung durch einen Duo-Block, traue ich weder Uluth noch mir zu, es mit dem Tohuwabohu da draußen aufzunehmen. Wir sind beide genug damit beschäftigt, uns mental davon abzugrenzen.«

Atlan nickte. »Laurence?«

Sie hatten sich im Konferenzraum der Expeditionsleitung versammelt, der zum Bereich Operationsplanung auf dem Galerie-Level der Hauptleitzentrale gehörte. Ausnahmsweise war Savoire leibhaftig anwesend und nicht bloß als Holo.

»ESCHER macht nach wie vor keine genauen Angaben«, sagte der Erste Kybernetiker. »Die Hyperdim-Matrix rechnet jedenfalls auf Hochtouren.«

Er verzog das bleiche, ohnehin schief wirkende Gesicht. »Nagelt mich nicht darauf fest, aber ich würde aufgrund gewisser, äh, Symptome schätzen, dass ESCHER nochmals etwa zwei Tage benötigen wird, bis die Treffsicherheit der Prognosen eventuell optimiert werden kann.«

Mehrere Personen in der Runde seufz-ten demonstrativ. Atlan konnte es ihnen nicht verdenken. Da galt die Paraposi-tronik als Nonplusultra der Rechner-Technologie, buchstäblich unvorstellbar hoch über herkömmlichen Hyperinpotroniken stehend – und dann brauchte sie Tage für ihre Kalkulationen!

Weil diese eben so ungeheuer komplex sind, Narr!, warf Atlans Logiksektor ein. ESCHER ist keine Zauberkiste, bloß der kurzsichtige, astigmatische Einäugige unter lauter vollkommen Blinden.