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Brandherd Irak - US-Hegemonieanspruch, die UNO und die Rolle Europas

Brandherd Irak - US-Hegemonieanspruch, die UNO und die Rolle Europas

von: Bernd W. Kubbig

Campus Verlag, 2003

ISBN: 9783593372846, 300 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 7,95 EUR

Ersparnis: 10,95 EUR

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Brandherd Irak - US-Hegemonieanspruch, die UNO und die Rolle Europas


 

Der Nahe und Mittlere Osten 1990/91 und 2002/03: Ein vergleichender Lagebericht (S. 23-24)

Volker Perthes

Die regionalen Strukturen vor dem Zweiten Golfkrieg

Die achtziger Jahre waren für die arabische Welt und den Nahen und Mittleren Osten ein verlorenes Jahrzehnt. Die Ölpreise waren seit 1982 erheblich gefallen und hatten zum Ende der Dekade, vor dem Kuwaitkrieg, einen Tiefpunkt erreicht. Entsprechend waren der Transfer der reicheren an die ärmeren arabischen Staaten und die Geldüberweisungen der Gastarbeiter an ihre Familien zu Hause zurückgegangen. Auf der politischen Ebene war die Lage durch das Scheitern diverser Friedensbemühungen im Nahen Osten gekennzeichnet. Die arabischen Staaten hatten 1987 soviel Frustration über die palästinensisch-israelischen Konfliktlösungsbemühungen angesammelt, dass das palästinensische Thema in den Hintergrund gerückt war. Die Palästinenser nahmen daraufhin die Dinge selbst in die Hand: Die erste »Intifada« begann.

Der Irak hatte 1988 einen achtjährigen Krieg gegen den Iran zu Ende gebracht. Das Land war nach dem Krieg ausgeblutet, strebte gleichzeitig aber nach einer Führungsposition in der Region. Bagdad wie auch Teheran hatten erhebliche Ressourcen verloren, doch der Irak hatte trotz aller Verluste einen Sieg errungen und setzte auf ein umfangreiches ziviles und militärisches Aufbauprogramm. Dazu gehörten auch Massenvernichtungsmittel, die für den Irak ein Instrument darstellen, um seine Nachbarn zu erpressen und regionale Dominanz durchzusetzen. Finanziell war Bagdad allerdings sowohl mit dem zivilen Wiederaufbau als auch mit der militärischen Wiederaufrüstung überfordert. Aus diesem Grund begann das Regime Saddam Husseins, Kuwait und Saudi-Arabien unter Druck zu setzen und finanziell zu erpressen. Der Irak weigerte sich nicht nur, seine Schulden zu bezahlen, sondern forderte Geld für den Wiederaufbau. Diese Forderung wurde damit begründet, dass das Land im Golfkrieg stellvertretend für alle Araber gegen die Iraner beziehungsweise die Schiiten gekämpft habe. Die wirtschaftliche Misere des Irak war insofern ein wesentlicher Grund für den Überfall auf Kuwait. Die arabische Staatengemeinschaft war nicht in der Lage, diesem Problem zu begegnen. Die Arabische Liga war schon vor dem Beginn der Kuwaitkrise tief gespalten und praktisch nicht handlungsfähig, und obwohl viele arabische Staaten eine »arabische Lösung« für die durch die irakische Kuwaitinvasion ausgelöste Krise forderten, kam eine solche nicht zustande. Stattdessen wurde die irakische Besetzung Kuwaits durch den Golfkrieg 1990/91 beendet, bei dem nichtarabische Staaten, insbesondere die USA, militärisch eine zentrale Rolle spielten.

Strukturveränderungen nach dem Zweiten Golfkrieg

Führungsstrukturen in der arabischen Welt

Der Golfkrieg war der Startschuss für Bemühungen um eine regionale Neuordnung. Eine dominante Führungsrolle des Irak in der arabischen Welt war nach der Niederlage nicht mehr realistisch. Stattdessen entwickelte sich aus dem arabischen Teil der Golfkriegskoalition ein relativ stabiles Führungsdreieck. Dessen tragende Achse bildeten Saudi-Arabien und Ägypten und dazu als eine Art Juniorpartner Syrien. Saudi-Arabien, Ägypten und Syrien dominierten die innerarabischen Entwicklungen in den Jahren danach, und sie tun dies bis heute. Solange die Führungen dieser drei Staaten eine gemeinsame Agenda verfolgen, ist in der Arabischen Liga, aber auch im arabisch-israelischen Friedensprozess, nichts gegen ihren Willen durchsetzbar.