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Das Spiel geht weiter (S. 46-47)
Laura drängte sich – am ganzen Körper vor Aufregung zitternd – durch die Leute, die lachend und lärmend durch die Straßen liefen. Sie war es zwar gewohnt, alleine durch Venedig zu gehen, aber dieses Mal befand sie sich nicht auf dem Weg zum Markt oder zur Bibliothek, sondern zu einem nächtlichen Treffen mit ihrem Cavaliere d’Amore. Sie hatte am Vortag, zwei Tage nach dem Ball, wieder einen Brief erhalten, in dem ihr geheimnisvoller Verehrer sie abermals seiner Leidenschaft und seiner Ergebenheit versichert und sie bestürmt hatte, zum Campo San Angelo zu kommen, wo er mit einer Gondel auf sie warten wollte. Sie hatte keine Sekunde gezögert, ihre Einwilligung dazu zu geben und den Boten sofort mit einer Antwort zurückgeschickt. Es gab schließlich keinen Grund mehr für sie, sich zu zieren.
Und doch hatte sie nun das lächerliche Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Noch dazu, wo sie ihre liebenswürdige Schwiegermutter belogen und sich mit vorgeschützten Kopfschmerzen auf ihr Zimmer zurückgezogen hatte, um sich dann heimlich aus dem Hinterausgang zu stehlen.
Als sie am vereinbarten Treffpunkt ankam, sah sie ihn schon am Ufer des Kanals stehen, für sie trotz seiner Maskierung unverkennbar in seiner Haltung. Er ging ruhelos hin und her und kam ihr, als er ihrer ansichtig wurde, ungeduldig entgegen. Sie eilte auf ihn zu, immer noch voller Schuldgefühle und Sorge. Er ergriff ihre Hand, küsste sie und führte sie dann zur wartenden Gondel. Die Gondolieri trugen keine Livree, waren also offenbar für diesen besonderen Anlass von ihm gemietet worden. Sie stieg vorsichtig vom Ufer in das leise schwankende Boot und kletterte in das kleine Häuschen, das die Venezianer felse nannten. Es schützte sie nicht nur vor dem kühlen Wind, sondern auch vor den Blicken Fremder.
Ihr Kavalier schob fürsorglich Kissen hinter ihren Rücken und breitete eine warme Pelzdecke über sie, bevor er Befehl gab, die Gondel vom Ufer abzustoßen. Sie sah sich neugierig und erwartungsvoll um. In Domenicos Gondel wurden im Winter Fensterläden eingesetzt, die besser schützten, aber diese hier hatte nur schwere Samtvorhänge, die vorne und seitlich ein wenig zurückgezogen waren, sodass sie die anderen Gondeln und die Leute auf den Brücken beobachten konnte, ebenso die beleuchteten Palazzi, an deren Anlegestellen ein ständiges Kommen und Gehen herrschte. Das Licht der Fackeln und bunten Laternen spiegelte sich im dunklen Kanal und ließ die kleinen Wellen glitzern. Das Wasser trug den Schall der unzähligen Stimmen und das Gelächter weiter, brach sich an den engen Häuserwänden, hallte nach. Wenn Venedig am Tag schon lebhaft war, so wurde es besonders zur Karnevalszeit in der Nacht erst so richtig lebendig.
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