Suchen und Finden
Service
Infos und Kontakt
3 Intelligible Geschlechter (S. 59-60)
Die konstruktivistische Stoßrichtung der Butlerschen Geschlechtertheorie – als »Genealogie der Geschlechterontologie « – zielt vor allem darauf ab, das Geschlecht zu ent-naturalisieren. Das, was umgangssprachlich vereinfachend als »Geschlecht« bezeichnet wird, umfasst ideologische Aspekte, Sexualitäten, körperliche Erfahrungen und Materialitäten, Identität, Subjektivationsprozesse, Diskurse, Politik, Macht, Geschichte. Das Geschlecht kann aufgrund seiner Vielschichtigkeit gar nicht rein natürlich imSinne von vor-sozial sein, es kann auch nicht auf ein natürliches Substrat zurückgeführtwerden. Butler lehnt die in der feministischen Theorie und in der Frauenund Geschlechterforschung gängige Trennung zwischen sex und gender ab, denn der sex (der natürliche Geschlechtskörper) wird ihr zufolge konstituiert durch gender und durch den Diskurs der (Zwangs-)Heterosexualität. Gegenwärtig sind intelligibleGeschlechter solche, die einen zirkulären Zusammenhang zwischen Geschlechtsidentität, Geschlechtskörper und Sexualität darstellen. Diese Darstellungen umfassen das, was Butler die performative Dimension des Geschlechts nennt. Sie greift das Phänomen der inszenierten Parodie des Geschlechts in der Travestie heraus, um zu zeigen, dass letztendlich jede Inszenierung des Geschlechts dem Muster der Imitation folgt.
Das Bekannteste am Butlerschen Œuvre sind sicherlich ihre Überlegungen zum Thema Geschlecht. Butler positioniert sich selbst nicht nur ausdrücklich im Kontext feministischer Theoriedebatten, sondern problematisiert in ihrenWerken grundlegende Begriffe feministischer Theorie und Praxis. Frau, Körper, feministische Praxen, Identität und Sexualität sind Gegenstand der kritischen Auseinandersetzungen, die Butler in ihren Schriften führt. In Bezug auf diese Themen hat kaum eine Autorin der letzten Dekade dermaßen viel (kontroverse) Aufmerksamkeit erregt wie Judith Butler. Ihr Name ist inzwischen synonym geworden mit einer bestimmten Weise, das Geschlecht zu denken, die manchen verführerisch neuartig und radikal, anderen hochgradig problematisch und wieder anderen nicht besonders neu, sondern nur modisch erscheint. Das Unbehagen derGeschlechter ist in diesem Zusammenhang der wichtigste Bezugstext und wurde im deutschsprachigen Kontext, aber auch international außerordentlich breit rezipiert. Doch befassen sich auch darüber hinaus diemeisten Texte Butlers – seien es Bücher, einzelne Aufsätze, Rezensionen oder Diskussionspapiere – mehr oder weniger ausführlich mit Fragen des Geschlechts.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion

























