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4 Bedingt abwehrbereit – Die Spiegel-Affäre des Franz Josef Strauß (1962) (S. 64-65)
Chefs fahren Mercedes. Das war schon 1962 so, und das wusste auch die Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamtes. Vor dem Düsseldorfer Büro des Nachrichtenmagazins Der Spiegel war in den vergangenen Tagen mehrfach ein schwarzer Benz mit Hamburger Kennzeichen aufgetaucht. Rudolf Augstein musste in Nordrhein- Westfalen sein. Wen sollte es wundern, Augstein besaß noch eine Wohnadresse in Düsseldorf. Die Beamten nahmen die Verfolgung auf. Es lag ein Haftbefehl vor. Der Verdacht, der auf dem Spiegel-Chef lastete, war schwerwiegend: Landesverrat. Freitag, 26. Oktober, 18.15 Uhr. Es war so weit. Der Beschattete kam aus einem Kaufhaus und marschierte schnellen Schrittes auf seinen Mercedes zu. Die Beamten griffen zu: »Herr Augstein, Sie sind verhaftet. Sie haben das Recht, die Aussage zu verweigern.« »Mein Name ist Fischer«, kam als Antwort. Die Polizisten fanden das komisch und zückten ein Gruppenfoto, auf dem Augstein zu sehen war. »Kennen Sie den da?« »Wen?« Alles war ein bisschen zu schnell gegangen. Heftiger Regen prasselte auf die Autodächer. »Ziehen Sie die Sache bei diesem Mistwetter nicht unnötig in die Länge. Geben Sie doch zu, dass Sie nicht Fischer sind.« Der vermeintliche Landesverräter machte auch noch Witze: »Wenn ich ein Geständnis ablege, kriege ich dann weniger?« Mit dieser Tour hatte er schlechte Karten. Der Mann hatte nicht mal einen Ausweis dabei, und das war in der Bundesrepublik eindeutig rechtswidrig.
Auf Revier 9 am Düsseldorfer Hauptbahnhof zeigte sich der Festgenommene immer noch nicht geständig. Steif und fest behauptete er: »Meine Name ist Erich Fischer, ich bin Anzeigenvertreter und nicht Herausgeber des Spiegel.« Gegen acht Uhr wollte er seine Frau anrufen, die sich vermutlich Sorgen machte. Einer der Elitebeamten der Sicherungsgruppe wählte die Nummer. Frau Fischer ging ans Telefon. Später räumte einer der Polizisten ein, er habe Augstein nur ein Mal im Fernsehen gesehen und ihn in der Tat anders in Erinnerung gehabt. Die äußeren Kennzeichen hätten ausreichen sollen, eine Verwechslung zu vermeiden. Fischer war 54 Jahre alt, von massiger Statur und hatte ein rundes Gesicht. Augstein, 39, war ein drahtiger Typ mit schmalen Zügen.
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