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S. 66-67
Kia trat hinter sie mit einer türkisgolden leuchtenden Peitsche, die Funken zu speien schien. Sie verbeugte sich tief, dann begann sie mit ausdruckslosem Gesicht Carmen zu züchtigen. Weit ausholend, mal gebeugt, mal sich aufrichtend sprang sie um den Strafbock herum wie ein wirbelnder Shaolinmeister. Sie traf mal unten, mal oben, ihre Hände umklammerten die Peitsche, ihr tiefschwarzes Haar floss um sie wie ein drohender Katzenschweif. Carmen stöhnte in den Knebel, im Publikum war es totenstill geworden, auch das untermalende Klavier war verstummt. Kia schlug zu, als wollte sie einen endgültigen Triumph erzielen, trieb in eine Art Raserei hinein.
Carmens olivfarbene Haut rötete sich nur schwer, doch langsam entstand ein Gittermuster auf ihrem Gesäß. Celine konnte sich dem magischen Wirbel der orgiastischen Schläge nicht entziehen, sie starrte wie gebannt auf die Bühne. Kia hielt kurz inne und betastete Carmens Striemen, sie zog ihren Kopf zurück und sah ihr in die Augen, danach ergriff sie die Peitsche erneut. Carmens Widerstand war ungebrochen. Gegen Ende dieser Abstrafung erklang eine leise Melodie von Brendan, die klagend einsetzte, wieder aufhörte und geisterhaft durch die Luft zu zittern schien. Celine sah, dass sich der Comte von der Szene abwandte, als billige er sie nicht. Sie lauschte der Melodie, doch die Laute zerflatterten und verklangen. Als Pete die Szene beendete, glühten viele im Saal, doch die Stimmung war gedämpft. Die weißen Rosen, die überall zur Dekoration aufgestellt worden waren, wirkten bleich und wächsern.
Kurz darauf beendete Pete den offiziellen Teil der Veranstaltung und eröffnete das Büfett. Sein Gesicht war glatt, seine Stimme selbstbewusst, nichts schien ihn jemals erschüttern zu können oder an seiner Eleganz auch nur einen Kratzer zu hinterlassen. Kurz sah Celine Mara neben sich auftauchen. Diese drückte sich gegen die Wand und starrte verstört zu Boden, war in ein purpurfarbenes Tuch gehüllt und schien erschöpft. Celine war hungrig, sie lief eilig an Mara vorbei zum Büfett, wo sich die Leute gierig drängten. Etliche hatten sich auch in die Schatten der Polster zurückgezogen, unzüchtige Bewegungen verrieten deutlich, was sie trieben.
Celine fühlte sich wieder besänftigt, ohne sagen zu können, warum. Die Nacht, die schummrigen Lichter hüllten sie ein, und sie verdrängte die dünne Stimme, die sie warnen wollte. Ihre Augen waren weit geöffnet, sie ging kerzengerade. Sie entdeckte Goldie, die nicht weit von ihr entfernt auf dem Schoß eines kahlköpfigen Mannes ritt, das lange Haar fiel fließend in ihren Nacken, ihr Hals leuchtete weiß. Sie warf Celine einen flüchtigen Blick zu, blinzelte und beschleunigte ihren Rhythmus.
Celine lud sich einen Teller mit cremigem Krabbenfleisch, Tomatensalat und gefüllten Auberginen voll. In ihrem Innern öffneten sich Türen, sie fand alles geheimnisvoll und spannend, dann schlugen sie wieder zu mit einem Knall, wenn ihre Gedanken Pete und Sigrid streiften. Sie vergaß völlig ihre Nacktheit, bis sie eine Berührung an ihrer Taille spürte, einen Männerarm, der sich eng um sie legte. Sie fuhr mit offenem Mund herum und sah in ein gut geschnittenes Männergesicht mit einem breiten Grinsen und pechschwarzen Haaren. Als der Mann langsam über ihren nackten Po zu streicheln begann, wunderte sie sich, denn er war ihr völlig fremd.
„Lassen Sie das!", fuhr sie ihn an. Er lachte dreist: „Du scheinst ja wie geschaffen für Petes Luxusbetrieb, du genießt es richtig. Wollen wir uns in die Ecke schlagen? Hier ist doch jetzt offenes Treiben." In seiner unverschämten Art versetzte er Celine in Wut. Sie hatte keine innere Beziehung zu ihm, für sie zählte nur Pete, und der hatte heute Nacht ein Bindeglied zwischen ihnen zerschnitten, nun trieb sie hin und her, ziellos und etwas chaotisch. Sie blickte in ihr leeres Weinglas und schüttelte ihn ab. Als er wieder nach ihr griff, sah sie ihn mit wildem Blick an und schenkte sich Wein nach. Doch er ließ nicht von ihr ab, versuchte sie zu dominieren.
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