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Stürmen für Deutschland - Die Geschichte des deutschen Fußballs von 1933 bis 1954

Stürmen für Deutschland - Die Geschichte des deutschen Fußballs von 1933 bis 1954

von: Dirk Bitzer, Bernd Wilting

Campus Verlag, 2003

ISBN: 9783593371917, 253 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 9,95 EUR

Ersparnis: 11,55 EUR

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    Küsse, Baby und das Familienglück - Bianca Bd. 1752
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Mehr zum Inhalt

Stürmen für Deutschland - Die Geschichte des deutschen Fußballs von 1933 bis 1954


 

11. Zwischen Fußballplatz und Schlachtfeld (S. 117-118)

Propagandaspiele und das Ende der Nationalmannschaft

Die deutsche Elf bei Kriegsausbruch

Bereits kurz nach Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 ist die großdeutsche Nationalmannschaft in alle Winde zerstreut. Einige Kicker müssen sofort zur Wehrmacht einrücken, und vom Winter des Jahres 1940 an sind fast alle Nationalspieler an der Front. Nicht einmal Reichstrainer Sepp Herberger hat ständig Kontakt zu seinen Schützlingen oder weiß, wie es seinen Spielern geht und wo sie sich genau befinden.

Den Spielern dürfte bei ihrer Einberufung reichlich mulmig gewesen sein, die Funktionäre hingegen feiern den Kriegsausbruch wie ein bedeutendes sportliches Großereignis. Nun endlich kann der Sport seine Bestimmung erfüllen, die ihm seit 1933 zugewiesen worden war: »Der deutsche Fußballsport, dem nach wie vor die Herzen der spielfreudigen und kampfesfrohen Jugend zufliegen, sieht seine Aufgaben also darin, an seinem Teil dem deutschen Volk den Vorrat an Kraft und Gesundheit zu geben, den es in dem schweren Ringenumseine Existenz nötig hat [. . .].«1 Und das bedeutet, dass prominente Kicker ebenso einrücken müssen wie der einfache Mann aus dem Volk. Der Einsatz der Nationalspieler an der Front soll verdeutlichen, dass im Krieg alle zusammenstehen müssen und sich ungeachtet ihrer Position in den Dienst der Nation zu stellen haben.

Zu Kriegsbeginn erscheint eine Fortsetzung des Spielbetriebes auf höchster Ebene zunächst mehr als unwahrscheinlich. Denn die wahre Herausforderung für Deutschlands Spitzensportler liegt nicht mehr auf dem Spiel-, sondern vielmehr auf dem Schlachtfeld, wie Reichssportwart Christian Busch mit furchterregender Diktion verdeutlicht: »Nicht mehr im internationalen Wettkampf, nicht mehr bei Groß-Festen, nicht mehr bei Meisterschaften treten unsere Mannschaften auf den Plan, sondern dort, wo sie der Führer und oberste Befehlshaber derWehrmacht berufen hat oder berufen wird. Es ist nicht die Zeit für sportliche Großkämpfe [. . .].« Allenfalls regionale Veranstaltungen sollen nach dem Willen Buschs noch durchgeführt werden, die vor allem der »Wehrertüchtigung « und der »Entspannung« dienen sollen. Das Ende der Nationalmannschaft scheint damit besiegelt zu sein.

Doch es gibt auch andere mächtige Stimmen im Reich, die für eine Weiterführung des Sports wie zu Friedenszeiten plädieren. Denn die politische Führungsspitze ist sich sehr wohl bewusst, welch wirksame Propagandawaffe der Sport – und insbesondere der Fußball – darstellt. Aus dem Hauptquartier des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) heißt es etwa: »Nichts darf zerschlagen werden im deutschen Sport an Organisation, an Fäden, die von Mensch zu Mensch führen, selbst wenn der eine an der Grenze auf Wacht steht und der andere Aufgaben in der Heimat erfüllt. Hier darf und soll der Sport als bindende Kraft wirken. Und gar durch die Zeit zerschlagen lassen, was an Betriebsnormen aufgebaut wurde, wäre falsch. [. . .] Am Weltkrieg hat der deutsche Sport seinen Lehrmeister.«