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Die Bestie Ganymed (Band Nummer: 2414)

Die Bestie Ganymed (Band Nummer: 2414)

von: Michael Marcus Thurner

Pabel-Moewig Verlag, 2007

ISBN: perh2414ebook, 49 Seiten

Format: ePUB, PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 1,35 EUR

Ersparnis: 0,40 EUR

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Die Bestie Ganymed (Band Nummer: 2414)


 

8. Vergangenheit: die Bestie (S. 32-33)

»Du hast dich in mehreren Situationen ausgezeichnet bewiesen«, lobte Konzig Asmo. Im Hintergrund tönte leise, melancholisch klingende Musik. »Von all den genetischen Mustern deiner Baureihe bist du eines der ammeisten versprechenden.« Der Kolonnen-Anatom marschierte vor seinem Tank auf und ab. Seine Kinnlade wirkte locker, als würde sie jeden Moment herabbrechen. Einen von eitrigem Schaum bedeckten Zahn schob er bedächtig in die vorgesehene Halteplatte zurück, während er weiterplauderte: »Vielleicht bist du jenes Exemplar deines Jahrgangs, dem wir wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Mikro-Bestien zu verdanken haben werden. Als wir dich und deine Genossen aufzogen, achteten wir von vornherein darauf, nur Exemplare mit zwei gleich stark ausgeprägten Zerebralteilen zu behalten. Ordinär- und Planhirn sollten sich ergänzen, so, wie es bei deinen genetischen Vorfahren der Fall gewesen war.« Konzig Asmo drehte sich einmal im Kreis, als wolle er einen Tanzschritt zur Musik andeuten. »Durch die diversen Versuche, die wir mittlerweile angestellt haben – und die du überlebt hast –, wissen wir, dass der Logikpart in deinem Kopf anspricht. Allerdings nicht immer. Zu meinem großen Bedauern. Wir messen zwar die Gehirnströme und sehen auch, dass in Ausnahmesituationen das Planhirn zur Gänze die Kontrolle übernimmt. Doch dann, ohne Vorwarnung, endet jegliche Logik. Der Schalter schnappt um, und du wirst zum wilden, von puren Emotionen getragenen Wesen.«

Ein prüfender Blick traf Null. Die Augen, wässrig und rot unterlaufen, übten eine seltsame Wirkung auf ihn aus. Als wolle ihn der Kolonnen-Anatom kraft seines Willens dazu zwingen, die Wahrheit zu sagen.

Ja. Die Wahrheit. Denn Null hatte gelernt, seinen Herrn anzulügen. Der Grund dafür hieß: Überlebensinstinkt.

Zeigte er dem Anatomen, der ihn beständig testete, wie stark und wie ausgeprägt sein Planhirn war, würden Konzig Asmo und seine Kollegen zu verstehen versuchen, wie er in Wirklichkeit funktionierte. Sie würden, wie es ihrem Selbstverständnis entsprach, seine Gehirnschale öffnen und nachsehen, was ihn von seinen Artgenossen unterschied. Als Stück Fleisch würde er enden, dessen fasrige Zusammensetzung in nanostarke Streifchen geschnitten und dessen Gehirntätigkeiten

Andererseits: Hätte Null von vornherein seine Fähigkeit zum logischen Denken vor den Kolonnen-Anatomen verborgen, hätte man ihn längst entsorgt. Dann wäre er uninteressant für sie gewesen. Ein Abfallprodukt, für das man keine Ressourcen zu verschwenden brauchte.

Null hatte sich bemüht, interessant genug für weitere Versuche zu erscheinen, aber keinesfalls als Musterschüler. Dies war der goldene Mittelweg, der ihm weitere Tage und Stunden an Lebensfrist bescherte. Und Null hatte große Lust am Leben entwickelt. Trotz all der Qualen, denen er ausgesetzt war, fand er an den ungewöhnlichsten Orten so etwas wie ... Schönheit. Dinge, die ihm gefi elen und die ihn reizten, weiter darüber nachzudenken.

Eine Kolonie von Schaben, die in den dunklen Teilen des Bestiariums ein bescheidenes Dasein fristeten, mochte beispielsweise seine Aufmerksamkeit erregen. Trotz der widrigen Umstände schafften es die zehnbeinigen Tierchen, das Überleben ihrer Art ein ums andere Mal sicherzustellen. Die Arbeiter des hierarchisch aufgebauten Stammes in dessen Zentrum gaben ihr Leben der Gebärkönigin. Wenn nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung stand, opferten sie sich selbst der nimmersatten Herrscherin des kleinen Insektenreiches. Null lernte: »Der Einzelne ist nichts, das Kollektiv alles.«

Auch die Musik, die Konzig Asmo vermehrt einsetzte, während er mit ihm und seinen Artgenossen Experimente anstellte, erregte Nulls Interesse. Sie kündete von Traurigkeit und wurde meist von schrillen Streichinstrumenten getragen. Sie löste Assoziationen in Null aus; er sah weite, offene Decks, in denen er und andere Bestien ein erfülltes Leben im Rahmen der Terminalen Kolonne führten. In einem heiter geführten Wettstreit jagten sie Beute und labten sich an philosophischen Streitgesprächen, die die Überlegenheit der Chaotarchen über die Kosmokraten zum Thema hatten und ...

Die Kolonnen-Anatomen waren zweifelsohne Geschöpfe, deren kühle und berechnende Bösartigkeit unvergleichlich schien. Und dennoch schätzte einer wie Konzig Asmo die Schönheit dieser ruhigen, etwas traurigen Musik.

Ergo: Auch im Kolonnen-Anatomen steckte etwas, mit dem sich Null anfreunden konnte. Etwas, das ihn sympathischer erscheinen ließ.

»Ich würde wer weiß was dafür geben, zu wissen, was sich in deinem Kopf abspielt«, unterbrach der Anatom Nulls Überlegungen. »Es wäre schön, könnte ich Antworten von dir erzwingen. Aber die Wesen deiner Art gelten als ausgenommen störrisch. Ihr lasst euch nur schwerlich zur Mitarbeit ... überreden und seid weder mit physischer noch psychischer Gewalt zu überzeugen. In gewisser Weise bin ich also auf deine Mitarbeit angewiesen. Zumindest gilt das, solange du noch lebst.«

Er lachte hässlich. »Dein toter Korpus hingegen wird seine Geheimnisse nicht vor mir verbergen können.« wie der Schaltkreis eines elektrischen Gerätes analysiert werden würde.