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Krieg zwischen den Generationen (S. 8)
Hanna Schmitz ist eindeutig Täterin, sie gehört der Tätergeneration, Michael der folgenden Generation an. Hanna wurde in den Text als mutterähnliche Figur eingeführt (sie badet Michael in der Weise, wie der Junge es schon bei seiner Mutter genossen hatte). Das Liebesverhältnis bekommt so einen inzestuösen Beigeschmack. Auf Grund seines Alters – Michael ist wie sein Autor 1944 geboren – ist er weder direkt Opfer, noch konnte er zum Täter werden. Über die inzestuös gefärbte Liebe zu der älteren Frau – bei ihren Übernachtungen in Gasthöfen trägt Michael beide als Mutter und Sohn ein – bekommt die Beziehung zwischen beiden beispielhaften Charakter für das komplizierte Verhältnis zwischen den Generationen, wird zum repräsentativen Abbild des Verhältnisses zwischen der Täter- und den Nachfolgegenerationen:
»Wie sollte es ein Trost sein, daß mein Leiden an meiner Liebe zu Hanna in gewisser Weise das Schicksal meiner Generation, das deutsche Schicksal war, dem ich mich nur schlechter entziehen, das ich nur schlechter überspielen konnte als die anderen.« (163) Fehlende Konflikt- oder auch nur Kommunikationsbereitschaft oder -fähigkeit werden als exemplarisch hingestellt. Sie ist Beispiel für das entsetzliche Schweigen zwischen den Generationen, denn während »die Täter und Mitläufer der ersten Generation eher schwiegen aus Angst vor äußeren Angriffen, Vorwürfen und möglichen Strafen, schwiegen die Kinder eher aus Scham und übernommener Schuld«. Kinder werden so zu Stellvertretern der Tätergeneration, die Tätergeneration reagiert auf Nachfrage aus dieser Gruppe oft paranoid oder mit Kontaktabbruch.
Ein Auskämpfen, eine Auseinandersetzung, auch nur eine Kontaktaufnahme über Nachfragen in Bezug auf Vergangenheit sind unmöglich. Dörte von Westernhagen hat als eine der Ersten dieses Verhältnis zwischen den Generationen untersucht, hat damit ein Tabu gebrochen und wurde schärfstens attackiert. Sie bemerkt, es gebe ein »verdrängtes, verschüttetes Erbe«, »verborgene Identifizierungen und verzweifelte Versuche, unter keinen Umständen so zu sein, wie die Eltern«. Die »von den NS-Verbrechen ausgehende Spaltungs- und Projektionsgewalt schuf Beziehungsformen zwischen den Generationen, die selbst wieder paranoid waren«.
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