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7 Stadt und Kultur in den Kolonien (S. 107)
Urbanisierung und Stadtentwicklung
Zu den vielfältigen sozialen Herausforderungen, die das Kolonialsystem mit sich brachte, gehörte die Urbanisierung. Die Gebiete, die das Deutsche Reich seit 1884 in Besitz genommen hatte, waren fast durchweg ländlich und agrarisch geprägt, städtische Siedlungen gab es nur vereinzelt, in manchen Gebieten wie Südwestafrika überhaupt nicht. Städtischen Charakter hatten vor allem einige Hafenorte, Handelszentren und Karawanenpunkte an der ostafrikanischen Küste wie Tanga, Bagamojo und Kilwa. Im Laufe der Kolonialzeit erlebten manche alten Ansiedlungen ein beschleunigtes Wachstum, andere verloren an Bedeutung. Zudem entstanden neue Zentren gemäß den militärischen, administrativen und kommerziellen Bedürfnissen, aber auch gemäß den klimatischen Bedingungen und den kulturellen Prioritäten der Europäer. Das schnelle Stadtwachstum schuf soziale und hygienische Probleme und verlangte planerische Eingriffe der Kolonialverwaltung in die Stadtentwicklung. Bauordnungen regelten Straßenführung, Siedlungsverteilung und Baugestaltung. Tsingtau war schon vor der deutschen Übernahme 1897 ein Handels- und Hafenort mit Verwaltungs- und Militärgebäuden, einem Tempel sowie dichter Bebauung durch Lehmhäuser. Doch für größere Dampfschiffe war der Hafen nicht geeignet. Unter deutscher Herrschaft änderten sich Struktur und Bild der Stadt rapide.
Der Ausbau des Hafens und eine neue Mole erlaubten auch das Anlegen großer Dampfschiffe, die 1899 begonnene, 1904 fertig gestellte Eisenbahnlinie stellte die Verbindung zu den Kohleund Erzlagern im Inneren des Pachtgebietes her.
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