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Mythos Scherbenstadt (Band Nummer: 2416)

Mythos Scherbenstadt (Band Nummer: 2416)

von: Christian Montillon

Pabel-Moewig Verlag, 2007

ISBN: perh2416ebook, 51 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 1,35 EUR

Ersparnis: 0,50 EUR

Mehr zum Inhalt

Mythos Scherbenstadt (Band Nummer: 2416)


 

4. Vergangenheit: Studien (S. 21-22)

Siri versuchte Zeran zu erreichen, doch der Freund war nicht aufzufi nden, weder per Kommunikator noch an einem seiner bevorzugten Plätze, geschweige denn in seiner Wohnung in der Scherbenstadt. Dort hielt er sich allerdings in letzter Zeit kaum mehr auf, seit er auf die Idee gekommen war, seine revolutionären Gedanken zu verbreiten. Das gefi el Siri nicht – es sah ganz so aus, als lasse sich Zeran verleugnen. Was war los mit ihm? Oder hatte es mit seinen mysteriösen Schmerzen zu tun, die er nicht hatte beachten wollen? War er wegen der Folgen einer geheimnisvollen Krankheit an einem einsamen Ort zusammengebrochen?

Siri drückte sich an einer Gruppe kichernder Mom’Serimer vorbei, seufzte, setzte sich an den Rand des großen Platzes im Zentrum der Scherbenstadt und beobachtete das hektische Treiben um ihn her. Dutzende eilten an ihm vorbei, vollauf damit beschäftigt, ihre Aufgaben zu erfüllen. Allgegenwärtiges Plappern lag wie ein Raunen in der Luft. Für Siri war das ein friedliches Bild – für Zeran wäre es wohl Ausdruck davon gewesen, dass sich die Mom’Serimer in ihr Schicksal ergaben und nicht aufbegehrten. Offenbar war alles nur eine Frage der Perspektive, aus der man seine Umgebung beobachtete. Siri träumte vor sich hin, während Worte auf ihn einströmten und Mom’Serimer an ihm vorbeirannten. Seine Gedanken schweiften ab, und er hörte nur mit halbem Bewusstsein, was um ihn her geredet wurde.

»Ich muss Ordnung schaffen, sonst fällt Trokin noch in die Schuttgrube.«

»... gesehen, wie hässlich das aussieht? Es ist ekelhaft, dass ...«

»Der Haluter war da. Er ist gar nicht so schrecklich.«

»... mag das nicht, wie du mich anfasst. Sei nicht böse, aber ...«

Beiläufi g hob Siri den Kopf und blickte der Weiblichen hinterher, die diese letzten Worte gesprochen hatte. Neben ihr trottete ein Männlicher, und schon von hinten sah man, dass er ganz und gar nicht zufrieden war. Seine Körperhaltung war angespannt, er ging übertrieben gerade.

Der Anblick der beiden rief ihm ins Bewusstsein, dass er in seine erste geschlechtliche Phase eingetreten war. Plötzlich sah er alles mit anderen Augen. Es war eben nur eine Frage der Perspektive, und die hatte sich gerade gewandelt ...

Wie viele Mom’Serimer wohl über den großen Platz inmitten der Scherbenstadt eilten? Siri schätzte, dass es mindestens fünfzig waren. Die meisten waren geschlechtsneutral, aber er entdeckte vereinzelte Weibliche. Von denen wiederum waren ihm die meisten zu alt, bestimmt jenseits der fünfzehn.

Plötzlich sah er eine Gruppe von drei Weiblichen, die etwa in seinem Alter sein mussten. Junge, frische Sieben- oder Achtjährige. Eine war hübscher und begehrenswerter als die andere.

Im ersten Moment wollte Siri aufspringen, aber er konnte unvermittelt keinen Muskel mehr rühren. Was hätte er ihnen denn sagen sollen?

Sollte er etwa zu der mit der besonders bleichrosafarbenen Haut gehen, deren Tentakel entzückend wippten, und sagen: Hallo, ich bin’s, Siri Solabas, ich bin männlich – und du weiblich?