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Reziprozität von Religion und Gewalt - Religion als Konfliktfaktor in neueren Entwicklungen auf den Nord-Molukken / Indonesien

Reziprozität von Religion und Gewalt - Religion als Konfliktfaktor in neueren Entwicklungen auf den Nord-Molukken / Indonesien

von: Heiko Landwehr

Verlag Otto Lembeck, 2007

ISBN: 9783874765374, 248 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 20,00 EUR

Ersparnis: 4,00 EUR

Mehr zum Inhalt

Reziprozität von Religion und Gewalt - Religion als Konfliktfaktor in neueren Entwicklungen auf den Nord-Molukken / Indonesien


 

3 Die Nord-Molukken: Religions- und missionsgeschichtliche Orientierung (S. 39-40)

Bevor die Europäer die Molukken mit ihren Schiffen 1512 zum ersten Mal erreichten, waren diese Inseln schon lange für ihre drei wichtigsten Naturprodukte berühmt: Gewürznelken, Muskat und Muskatblüte. Bereits für die Zeit um 1700 v. Chr. lassen sich im Gebiet des heutigen Syrien aus den Molukken importierte Gewürznelken nachweisen, das wertvollste der drei Gewürze. Die Nelkenbäume wuchsen ursprünglich auf den fünf kleineren Inseln der Nord- Molukken Ternate, Tidore, Moti, Makian und Bacan und lieferten eine Delikatesse und Medizin, die auch Europäern und Chinesen bekannt wurde. Mit der Etablierung Malakkas als Hauptumschlagplatz südostasiatischer Gewürze (1400-1511) brachte der aufblühende Handel mit Gewürznelken auch auf den Molukken einen gewissen Wohlstand. Die Europäer, die die Gewürze über Landwege in Indien, im mittleren und nahen Osten importierten, blieben dabei auf muslimische Könige und Händler angewiesen, so dass die Hoffnung auf preiswertere Gewürze zu einem wichtigen Motivationsgrund für die Suche nach einem neuen Seeweg nach Asien wurde, vor allem für die Portugiesen als führende Entdecker-Nation dieser Zeit. Der erfolgreichen Umsegelung Afrikas folgten die Einnahmen Goas an der Westküste Indiens (1510) und Malakkas (1511) durch die Portugiesen und die Vertreibung des letzten Sultans der seit 1403 in Malakka herrschenden Dynastie. Noch im selben Jahr entsandten sie drei Schiffe zu den Gewürzinseln. Damit begann die Kolonialgeschichte der christlichen Europäer auf den Molukken, mit der die Missionsgeschichte verknüpft ist.

3.1 Mythische Traditionen

Als die Portugiesen 1512 die Nord-Molukken erreichten, hatten deren Bewohner ein ausgeprägt mythisches Verständnis ihrer Lebenswelt, das sich – unter Modifizierung der inhaltlichen Ausgestaltung der Mythen – durch die Kolonialgeschichte hindurch bis heute gehalten hat. Für die Einheimischen waren die verschiedenen Ethnien auf den zahlreichen Inseln der Molukken mit ihren verschiedenen Sprachen eine durch Mythen beschriebene und legitimierte Einheit, „eine Familie". Ursprungsmythen besagten, dass vier Säulen bzw. die vier Königreiche Ternate, Tidore, Jailolo (auf Halmahera) und Bacan die Welt der Nord-Molukken darstellten. Ein früherer Mythos, in dem Moti und Makian statt Jailolo und Bacan genannt werden, wurde durch einen späteren aufgegriffen, demzufolge das Königshaus von Jailolo durch das Motis, das Bacans durch das Königshaus Makians gegründet wurde. Jedes der vier Königreiche hatte seine eigenen Traditionen, die beschrieben, dass die Königreiche aus vier bzw. inklusive dem Zentrum fünf Gründungsdörfern oder vier bzw. fünf Königreichen bestehen, die wiederum durch Expansion jeweils vier Satellitenstaaten bilden. Die Zahl „vier" – ein altes austronesisches Erbe – galt als vielversprechend und symbolisierte Vollständigkeit, Ordnung und Harmonie. Den Hintergrund bildet zunächst ein räumliches mythologisches Verständnis, bei der die Windrose mit ihren vier Grundrichtungen und der Mitte als Zentrum Ausdruck des Kosmos ist.