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Ich pack’s! Selbstmanagement für Jugendliche - Ein Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell
Teil 1: Theorie (S. 17-18)
1.1 Identität im Zürcher Ressourcen Modell
Die Vorgänge in der menschlichen Psyche werden sehr unterschiedlich in Worte gefasst. Der Begriff «Identität» wird in zahlreichen verschiedenen Zusammenhängen verwendet, genauso wie auch der Begriff «Selbst». Der gesamte Themenbereich ist eher unübersichtlich, und da keine höchste Instanz existiert, die hier den Gebrauch der Begrifflichkeiten regelt, bleibt nur, dem dringenden Aufruf von Leary (2004) zu folgen, jeweils präzise zu definieren, in welcher Art und Weise man die Begriffe, mit denen man arbeitet, verstanden haben will. Denn teilweise, so konstatiert zum Beispiel Keupp (1997), reden manche AutorInnen von derselben Sache, verwenden aber unterschiedliche Begriffe dafür. Andererseits kann es vorkommen, dass zwei Autoren zwar denselben Begriff benutzen, damit jedoch völlig unterschiedliche Elemente der menschlichen Psyche ansprechen. Aus diesem Grund haben wir vor langer Zeit schon damit begonnen, für die Lehrveranstaltungen an der Universität und für die Seminare in der Erwachsenenbildung mit Visualisierungen zu arbeiten, um die verschiedenen innerpsychischen Instanzen und ihre Funktionsweisen sauber auseinander zu halten. Diese Illustrationen haben schon vielen Studierenden und Kursteilnehmenden dabei geholfen, die äußerst spannende aber auch ziemlich komplizierte Thematik besser zu verstehen. Darum benutzen wir sie auch in diesem Buch als didaktische Hilfsmittel, um die Vorstellung von Identität, mit der im Zürcher Ressourcen Modell gearbeitet wird, gut nachvollziehbar zu gestalten. Wesentlich für den Anfang ist eine Unterscheidung: Wir unterteilen die Thematik der Identität in einen strukturellen Aspekt und in einen prozessualen Aspekt. Strukturelle Aspekte betreffen die Inhalte, die Bausteine von Identität, prozessuale Aspekte betreffen die Vorgänge, aus denen heraus Identität entsteht. Die prozessualen Aspekte verhalten sich zu den strukturellen Aspekten wie der Vorgang des Mauerns zu den Bausteinen. Wenn Bausteine aufeinander gemauert werden, dann entsteht ein Haus. In dieser Metaphorik wäre dann die Identität das Haus, das aus der Kombination von strukturellen und prozessualen Aspekten entsteht.
Seit Erik Eriksons Buch «Jugend und Krise» ist in der Entwicklungspsychologie unwidersprochen, dass die Herstellung einer autonomen Identität als die wichtigste Aufgabe der Adoleszenz betrachtet werden kann (Fend, 1994, 2000). In diesem Sinn sind Eriksons Einsichten bis heute gültig. Kritik geäußert wird allerdings an seiner Vorstellung, dass die Identität etwas ist, das sich einmal im Leben – in der Phase des Jugendalters nämlich – festlegt und dann für immer unverändert stehen bleibt (Übersichtsartikel hierzu finden sich bei Krappmann, 1997 und Barkhaus, 1999). Inzwischen besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Identität keine psychische Eigenschaft ist, die einmal erworben wird und dann für immer gleich bleibt. Man geht heute vielmehr davon aus, dass es einer aktiven Konstruktionsleistung des Individuums bedarf, Identität fortlaufend neu zu erzeugen und über wechselnde Kontexte hinweg stabil zu balancieren.
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