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Maßvoll Messen: Zur konzeptorientierten Entwicklung von Messinstrumenten (S. 123-124)
Bernhard Miller
Einleitung
»Perhaps the most fundamental barriers to good comparative research are measurement and the problems of comparability of measures.« (Peters 1998: 80) Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis dieses Buches macht deutlich, dass diese Aussage mit Vorsicht zu genießen ist. Ob man aber Peters nun zustimmt oder nicht: Messinstrumente nehmen im Forschungsdesign eine zentrale Rolle ein – denn schlussendlich bestimmt die Qualität des Messwerkzeugs die Qualität der Ergebnisse. Dies gilt unabhängig davon ob Forschung qualitativ oder quantitativ angelegt ist, ob sie einem X- oder Yzentrierten Erkenntnisinteresse folgt, vergleichend ist oder nicht.
Wahrscheinlich ist es gerade die zentrale Stellung, die Messung im Forschungsprozess einnimmt, die einen versierten Experten dazu bringt, sich skeptisch zu äußern, dass:
»Any amount of study […] can teach you how to measure social phenomena, though it can conceivably be helpful in understanding exactly what is achieved by a proposed method of measurement or measuring instrument.« (Duncan 1984: 154).
Diese Haltung macht sich das vorliegende Kapitel zueigen und betrachtet, welche Methoden dazu beitragen können, ein möglichst zweckmäßiges Messinstrument zu erhalten. Zweckmäßig ist ein Messinstrument dann, wenn es das zugrunde liegende theoretische Konzept adäquat wiedergibt. Maßvoll zu messen bedeutet daher, immer die Theorie im Hinterkopf zu haben – und sich nicht etwa am möglicherweise (empirisch) Möglichen auszurichten.
Im Folgenden gilt es, zwei Fragen zu behandeln: Zunächst soll diskutiert werden, welche Probleme bei der Konzeption von Messinstrumenten auftreten können. Zweitens: Welche Mittel gibt es, diese Probleme anzugehen. Da sich dieses Buch an Leser richtet, die an eigenen Forschungsdesigns feilen, nimmt dieses Kapitel eine fragende Perspektive ein: was soll mit einem Messinstrument erreicht werden? Dementsprechend wird Messung funktional verstanden – als den Prozess der es uns ermöglicht, unsere Hypothesen auf überzeugende Art und Weise empirisch zu testen (Geddes 2003: 157). Auch enger gefasste Definitionen des Messprozesses lassen sich alle unter diesem Ansatz zusammenfassen.
Die klassische Definition von Stevens etwa, der unter Messung die Zuordnung von numerischen Werten zu Objekten versteht. Gemäß zuvor definierter Regeln (Stevens 1951: 22).1 Gleichwohl diese Definition den Eindruck erwecken mag, sie gelte nur für Forschung mit großen Fallzahlen so ist sie durchaus auch für Forschung mit kleinen Fallzahlen einschlägig. Im Kern soll Messung es ermöglichen, jede Beobachtung relativ zu anderen Beobachtungen einzuordnen. Die folgenden Ausführungen gehen insbesondere auf den Entwurf von Messinstrumenten ein. Messfehler diskutiere ich nicht schwerpunktmäßig (King u.a. 1994, Beiträge zu Brady/Collier 2004).
Dieses Kapitel richtet sich an Politikwissenschaftler außerhalb der Umfrageforschung. 2 Es verbindet eine eher abstrakte und eine eher anwendungsorientierte Sicht auf den Messprozess. Das Vorgehen dabei ist wie folgt: Der erste Abschnitt behandelt Messung als den Prozess von Operationalisierung sowie der Überprüfung von Validität und Reliabilität. Der zweite Abschnitt geht darauf ein, wie der problembewusste Einsatz von Indizes dazu beitragen kann, einige Messprobleme zu vermeiden. Ebenfalls stelle ich an dieser Stelle eine Reihe von Hinweisen zusammen, die bei der praktischen Umsetzung der diskutierten Maßnahmen behilflich sein können. Der Anwendungsteil schließlich verbindet die Hinweise mit meiner eigenen Forschung und zeigt, wie sie sich fruchtbar einsetzen lassen. In der Zusammenfassung finden sich alle zentralen Aussagen in der Übersicht.
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