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Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie - Didaktik - Design

Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie - Didaktik - Design

von: Rolf Schulmeister

Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2007

ISBN: 9783486273953, 495 Seiten

4. Auflage

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 39,80 EUR

Ersparnis: 5,00 EUR

  • Was ist guter Unterricht?
    Forschungsdesign in der Politikwissenschaft
    Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens
    Qualitative Sozialforschung
    Politische Bildung in Ostdeutschland
    Wirtschaftsideen - Von der Antike bis zum Neoliberalismus
    Studienbuch Pädagogische Kommunikation
    Didaktische Modelle
  • René Descartes - Eine Einführung
    Pädagogisches Grundwissen. Überblick - Kompendium - Studienbuch
    Online-Lernen

     

     

     

     

     

     

 

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Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie - Didaktik - Design


 

3 Theorien des Lernens (S. 65)

Epistemologische Theorie der Kognition

Die kognitive Psychologie, die auf die Theorien Jean Piagets und Jerome S. Bruners zurückgeht, geht im Gegensatz zum Behaviorismus1 und seinem Theorem der gepaarten Assoziationen davon aus, dass Lernen auf kognitiven Strukturen beruht und durch kognitive Konzepte ständig mediiert wird. Piagets Theorie der genetischen Epistemologie ist eine tief in der biologischen Evolution gründende Vorstellung von der Anpassung des Organismus an die Umwelt.

Die ontogenetische Entwicklung des Individuums wird durch Austauschprozesse mit der Umwelt reguliert, die Piaget als »Akkomodation« und »Assimilation « bezeichnet, als die Anpassung der erworbenen kognitiven Konzepte an neue pragmatische Gegebenheiten und als die Hereinnahme externer Objekte und Zustände in die inneren Strukturen des Individuums unter Modifikation der vorhandenen kognitiven Strukturen.

Ziel der Assimilations- und Akkomodationsprozesse ist die Überwindung von Perturbationen in der Begegnung mit der Umwelt und die Herstellung eines neuen Equilibriums. Die epistemologische Theorie der Kognition hat zwei pädagogisch-methodische Konzepte begründet: Das entdeckende Lernen [Bruner (1961)] und das Lernen mit Mikrowelten [Papert (1980)].

Und sie bildet zugleich die psychologisch- philosophische Grundlage für den Konstruktivismus [s. die Beiträge in den Sammelbänden von Forman/Pufall (1988) und Beilin/Pufall (1992), s.a. Varela (1990), Smith (1993)]. Auf das Konzept der Mikrowelten war ich im vorigen Kapitel bereits kurz eingegangen. Es bleibt mir, an dieser Stelle etwas zum entdeckenden Lernen nachzuholen. Den Konstruktivismus werde ich im nächsten Abschnitt eingehender behandeln.

Aus der kognitiven Psychologie heraus hat sich das Modell des »Entdeckenden Lernens« entwickelt: Für das entdeckende Lernen stehen der an der Heuristik menschlichen Denkens orientierte Erkenntnisprozess, der konzeptgeleitete Denkprozess und das konstruktive Problemlösen im Vordergrund. Lernmaterialien nach dem Frage-Antwort-Schema bieten den Lernenden nach Ansicht der kognitiven Psychologie viel zu wenig Spielraum, ihre vorhandenen kognitiven Konzepte zu aktivieren und neue zu entwickeln.

Aufgaben, die dem Suchen, Probieren und Explorieren weiten Raum geben, sowie die Simulation kognitiver Prozesse sind hierfür schon eher geeignet. Auf jeden Fall ist für ein solches Lernen – bezogen auf das Lernen mit Computern – die Freiheit des Lernenden wichtig, Wege und Strategien im Umgang mit Programmen selbst wählen zu können. Jacobs (1992), der die Geschichtslosigkeit in der Pädagogik beklagt, bietet eine historische Darstellung des entdeckenden Lernens von Sokrates bis heute.

Er möchte damit eine Kontinuität der Vorstellung vom entdeckenden Lernen im Geschichtlichen herstellen. Einen Überblick über Untersuchungen zum entdeckenden Lernen gibt Heller (1990). Sie gibt deutlich zu erkennen, dass entdeckendes Lernen kein Patentrezept ist, sondern dass der Erfolg des entdeckenden Lernens von vielen Faktoren abhängig ist: Studierende aus gehobenen sozio-ökonomischen Schichten und aus städtischen Umgebungen scheinen eher davon zu profitieren, ebenso selbstsichere, kompetente Lerner, während misserfolgsängstliche Studierende eher vom angeleiteten Lernen profitieren.

Heller stellt jedoch auch fest, dass die These von der motivierenden Wirkung des entdeckenden Lernens weitgehend bestätigt worden ist. Neuere Einzelstudien sind u.a.

• die Studie von Wilson und Tally (1991), die 10 Multimedia-Programme auf ihre Eignung für das entdeckende Lernen hin untersuchten, und

• die Studie von Wolfe (1992), der entdeckendes Lernen durch studenten-generierte Experimente in der Statistik fördern will, um die Studierenden mit Statistik und experimentellen Methoden vertraut zu machen und ihr empirisches Denken zu fördern.