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Franciscus Sanchez
Philosoph und Doktor der Medizin
DASS NICHTS GEWUSST WIRD (S. 419-421)
1 Nicht einmal dieses eine weiß ich: daß ich nichts weiß. Ich vermute aber, daß weder ich noch andere etwas wissen. Dieser Satz „Nichts wird gewußt" sei mein Feldzeichen, ihm muß ich folgen. Wenn ich weiß, wie das nachzuweisen ist, kann ich mit Recht schließen, daß nichts gewußt wird. Wenn ich nicht weiß, wie das nachzuweisen ist, um so mehr. Denn das war der Inhalt meiner Behauptung. Aber du wirst sagen: „Wenn du weißt, wie es nachzuweisen ist, folgt das Gegenteil, dann weißt du nämlich schon etwas." Aber ich habe bereits auf das Gegenteil geschlossen, bevor du das behauptet hast. Ich beginne schon, die Sache zu verwirren. Aus dieser Tatsache selbst folgt bereits, daß nichts gewußt wird. Vielleicht hast du es nicht verstanden und nennst mich unwissend oder einen Haarspalter. Du hast recht. Aber mir steht es eher zu, dich so zu nennen, da du es nicht verstanden hast. Unwissend sind wir also beide. Schon hast du also als Unwissender auf das geschlossen, was ich lange suchte. Wenn du die Ambiguität des Schlusses verstanden hast, hast du klar gesehen, daß nichts gewußt wird. Wenn nicht, denke nach, mache Unterscheidungen und löse mir den Knoten. Schärfe dein Denkvermögen.
2 Ich fahre fort. Beginnen wir die Sanis nominalis definitio est, et fere omnis quaestio. Ex- plico. Rerum naturas cognoscere non possumus, ego saltem: Si dicas, te bene, non contendam, falsum tamen est: Cur enim tu potius? Et hinc nil scimus. Quod si non cognoscamus, quo pacto demonstrabimus? Nullo. Tu tamen diYnitionem dicis esse quae rei naturam demonstrat. Da mihi unam. Non habes. Concludo ergo.
3 Amplius, rei quam non cognoscimus quomodo nomina imponemus? Non video. Sunt tamen. Hinc circa nomina dubitatio perpetua, et multa in verbis confusio et fallacia: quin et in his omnibus quae modo protuli forsan. Conclude tu.
4 Dices de- finire te rem quae est homo hac definitione, Animal rationale mortale, non verbum. Nego. Dubito enim rursus de verbo animal, et de rationale, et alio. De- finies adhuc haec per superiora genera et diVerentias, ut vocas, usque ad Ens. Idem de singulis nominibus quaeram. Tandem de ultimo Ente: nec enim scis quid significet. Non definies, quia non habet superius ge- nus, dices. Non intelligo hoc. Nec tu. Nescis quid sit Ens. Minus ego. Dices tamen in quaestionibus tan- dem quiescendum. Hoc non solvit dubium, nec explet mentem. Prodis coactus ignorantiam. Gaudeo. Et ego.
5 Procedo. Una res homo est, eam tamen pluribus insignis nominibus, Ente, substantia, corpore, che mit dem Namen. Denn für mich ist jede Defini- tion eine Nominaldefinition, und beinahe jede Frage dreht sich um Namen. Ich erkläre, was ich meine:Wir können die Natur der Dinge nicht erkennen, ich wenigstens nicht. Solltest du sagen, du könnest das sehr wohl, mag ich nicht mit dir streiten. Gleichwohl ist es falsch.Warum nämlich solltest du das eher können als ich? Daher wissen wir nichts. Wenn wir sie aber nicht erkennen, auf welcheWeise werden wir sie beweisen? Auf gar keine. Du aber sagst, es sei die Definition, die die Natur eines Dinges aufweise. Gib mir eine an. Du hast keine. Also ziehe ich den Schluß. 3 Weiter: Wie sollen wir einem Ding, das wir nicht erkennen, Namen zuschreiben?
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