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VoIP-Praxisleitfaden - IP-Kommunikation für Sprache, Daten und Video planen, implementieren und betreiben
5 Protokolle und Dienste für VoIP (S. 167-168)
In diesem Kapitel geht es darum, die vor allem im Telekommunikations- und VoIP-Umfeld wichtigen und interessanten Protokolle und Dienste näher kennenzulernen, zu beleuchten und insbesondere hinsichtlich ihres praktischen Einsatzes bei VoIP zu diskutieren. Die Protokolle und Dienste lassen sich generell wie folgt unterteilen:
- Klassische Dienste und Protokolle der Telekommunikation, die auch im VoIP-Umfeld eine Rolle spielen.
- Reine IP-Protokolle und -Dienste, die beim Einsatz von VoIP von Bedeutung sind.
- Nach dem Standardisierungsgrad der Protokolle und Dienste:
--- Protokolle, die in vielen RFCs definiert bzw. klar standardisiert sind.
--- Protokolle und Dienste, die sich als so genannte Quasistandards etablierten. Sie sind in keinem RFC definiert, werden dennoch von vielen Applikationen und Benutzern verwendet und eben quasi als Standard akzeptiert.
--- Herstellereigene, also proprietäre Protokolle. Deren Inhalte und Funktionen sind sehr speziell und meistens von den Herstellern nicht offengelegt. Ob und wann der Einsatz solcher Protokolle ggf. nötig, sinnvoll und vorteilhaft ist? Die Beantwortung dieser Frage ist Gegenstand des Abschnitts 5.1.4.
Der Umstand des Vorhandenseins und der Benutzung einer derartigen Vielzahl von Protokollen macht es sehr oft erforderlich, die Protokolle miteinander zu verbinden. Bei Standardprotokollen ist die Interaktion zwischen den Protokollen in der Regel über die Definitionen und Standardisierungen gesichert. Anders hingegen verhält es sich bei den Quasistandardprotokollen sowie den proprietären Protokollen. In diesen Fällen, bei denen die zu benutzenden Protokolle nicht direkt miteinander interagieren, kommen die entsprechenden Protokollübersetzer, die sogenannten Gateways, zum Einsatz.
Doch selbst dann, wenn ein Protokoll an sich standardisiert ist, muss dass noch lange nicht bedeuten, dass es sich in allen Funktionen interoperabel zu andern Diensten und Protokollen verhält. Genau das ist in der Praxis oftmals der Fall. Die beiden prominentesten Vertreter sind QSIG (Q-interface signalling protocol) in der klassischen Telekommunikationswelt und SIP bei VoIP. Beide beschreiben in ihren Grundstandards einen gewissen Umfang an Basisfunktionen. Bei QSIG beispielsweise die so genannten „Basic Features" oder auch „Generic Functions". In der Fachwelt wird daher gerne von QSIG-GF gesprochen. SIP kennt (Stand 2007) gerade einmal 19 zu standardisierende Funktionen, die sogenannten SIPing19. SIPing19 ist noch deutlich im Entwurfsstadium, und bereits heute ist abzusehen, dass einige der darin beschriebenen Funktionen wieder herausfallen und andere hinzukommen werden.
Praxistipp
Die Praxis zeigte und zeigt noch immer, dass sich nicht alle Funktionen und Dienste standardisieren ließen und lassen. Daher haben herstellereigene und -spezifische Protokolle bzw. Anpassungen der Protokolle nach wie vor ihre volle Berechtigung. Das markanteste Beispiel ist die Chef/Sekretär-Funktion. Sie ist funktional nirgendwo wirklich standardisiert, daher kann es auch kein Standardprotokoll dafür geben. Da es diese Funktionen aber gibt und geben muss, wurden sie von den Herstellern in eigener Art und Weise umgesetzt und implementiert.
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