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Vielgeliebte Falsette

Vielgeliebte Falsette

von: Ewger Seeliger

L. Alexander Metz, 2010

ISBN: 9783942660082, 412 Seiten

Format: ePUB, PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 8,99 EUR



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Vielgeliebte Falsette


 

"5. Wie sie auf die Pfarrhausschwelle gelegt worden (S. 30-31)

Am Mittwoch nach Jubilate büßte Wunnibald von Telkow sein Leben ein. Er wollte an diesem Tage nach einem kräftigen Frühtrunk einen Hengst zureiten, stürzte dabei aus dem Sattel und brach sich den Hals. Sein Leichnam wurde unter Teilnahme beider Gemeinden am Sonntag Cantate in der Dobriwalker Kirche beigesetzt. Seyfried Drömpel hielt ihm eine ergreifende Leichenpredigt, und Nickel Vink sang mit seinen Schulkindern das Grablied, wobei ihm die hellen Tränen über die Wangen rollten.

Auch Gustav von Telkow, des so jählings Dahingerafften einziger Sohn und Erbe, stand mit seinem Hofmeister Tobias Schippolt an der offenen Gruft und vergoss Tränen über Tränen. Neben ihm paradierte mit weiß gepuderter Perücke und goldbetresstem Staatskleid Maximilian von Telkow, des Verstorbenen Bruder, der zu Wismar als Rat in Königlich Schwedischen Diensten stand, und über den das Gerücht umlief, dass er die schmucken Knaben lieber hätte als die anmutigsten Mädchen.

Diesem alten Schweden, wie ihn die Telkower zu nennen pflegten, verblieb auch die durch das plötzliche Abscheiden des Verstorbenen nötig gewordene Neuordnung der Gutsgeschäfte. Nickel Vink, der bisher die Wirtschaftsbücher geführt hatte, wurde dieses Postens enthoben, und zu seinem Nachfolger wurde der Gutsverwalter Iwo Reichart bestimmt, der bei seiner Buchführung weder sich selbst noch seine hungrige, in Wismar hausende Sippe vergaß.

Denn das Gut warf weit mehr ab, als Gustav von Telkow und sein Hofmeister, die gleich nach der Beerdigung wieder nach Rostock zurückgekehrt waren, zu verbrauchen imstande waren. Und wenn Iwo Reichart trotzdem in der Folgezeit einen ganz erklecklichen Überschuss herauszurechnen wusste, so geschah das auf Kosten der Kätner und Instleute und aus Furcht vor den übrigen Herren von Telkow, die zahlreich in der Runde saßen und aus dieser vollen Krippe von Herzen gern auch etwas gelöffelt hätten. Beklagten sich die Telkower bei Nickel Vink über das stetige Anwachsen der Dienstlasten, dann tröstete er sie und sprach:

„Murret nicht über den Stab Wehe und hoffet über ein Kleines, da der Herr daherkommen wird mit dem Stabe Sanft, um das Joch zu erleichtern.― Ungefähr dasselbe hörten sie von Seyfried Drömpel, wenn er auf der Kanzel stand, um ihnen den Willen des Herrn und die von ihm gelenkten kommenden Dinge zu erläutern, nur dass er dabei auf den Herrn der Heerscharen und nicht, wie Nickel Vink, auf den jungen Herrn von Telkow zielte, der sich auch weiterhin auf dem Rostocker Gymnasium mit der standesgemäßen Erziehung und den Wissenschaften herumplagen musste."