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Wer ist schon alt? - Eine Kulturgeschichte des Alterns

Wer ist schon alt? - Eine Kulturgeschichte des Alterns

von: Juliane Haubold-Stolle

Vergangenheitsverlag, 2010

ISBN: 9783940621597 , 157 Seiten

Format: PDF, ePUB, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 6,99 EUR

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Wer ist schon alt? - Eine Kulturgeschichte des Alterns


 

Das frühe 20. Jahrhundert – Die Altenlast (S. 89-90)

Der Erste Weltkrieg beschleunigte Entwicklungen, die zuvor schon begonnen hatten. Das gilt auch für die gesellschaftliche Abwertung des Alters. Die ersten Kriegstage im August 1914 lösten eine regelrechte Welle der Jugendbegeisterung aus. Überall drängten junge Männer, oft mit Blumen in den Gewehrläufen, in das vermeintliche Abenteuer.

Durch den Krieg wurde durch die Überbetonung der Bedeutung des jungen, wehrfähigen Mannes das höhere Alter abgewertet.189 In der Öffentlichkeit wurde diese Abwertung vielfach wahrgenommen und insbesondere in der Nachkriegszeit gemeinsam mit der Armut der Alten diskutiert, was mit der dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Gesamtlage nach dem Krieg zusammenhing. Die Armut der Alten hing auch daran, dass frühere Sicherungssysteme nicht mehr trugen. Ältere Arbeitnehmer fanden immer weniger Arbeitsplätze. Daher wiesen Wohlfahrtseinrichtungen auf die „Berufsnot“ der Älteren hin.

190 Alte Menschen fielen immer stärker der Fürsorge „zur Last“. Voller Erschrecken wurde nach dem Krieg der kriegsbedingte Geburtenrückgang kombiniert mit der längeren Lebenserwartung der Menschen als „Vergreisung“ wahrgenommen. Es erschien den Bevölkerungswissenschaftlern, dass die Deutschen auszusterben bzw. ihre Kraft zu verlieren drohten. So schrieb Friedrich Burgdörfer in seinem Buch „Volk ohne Jugend“ (1. Auflage 1932): „Die reife Lebenserfahrung, die Besonnenheit und Bedächtigkeit des Alters sind gewiss wichtige und unentbehrliche Güter einer Volksgemeinschaft. Wenn diese Gaben und Tugenden in einem Volk aber zu stark vertreten sind [...] so kann einem Volke leicht der gesunde Auftrieb abhanden kommen, ohne den es keinen Fortschritt gibt.“.

Alte wurden als „Belastungsfaktor“ der Gesellschaft gesehen, als Unproduktive, die von den Erwerbstätigen durchgefüttert werden mussten. Im 19. Jahrhundert hatte man als Hauptbelastungsfaktor noch die Kinder wahrgenommen.193 Inwieweit, so diskutierten im beginnenden 20. Jahrhundert Wissenschaftler und Sozialpolitiker, kann sich eine Gesellschaft die Kosten, die die alten Menschen verursachen, noch leisten? Wäre es nicht sinnvoller, mit dem Geld, das die Alten bekommen, die Kinder und Jugendlichen – die Zukunft des Volkes – zu unterstützen?