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Die Anwendung der Tricks an einfachen Beispielen erklärt (S. 106-107)
So manchem wird nach dem Lesen des Textes von Arthur Schopenhauer der Kopf schwirren. Keine Sorge, man muss nicht unbedingt ausgebildeter Logiker sein oder ein in Altgriechisch und Latein bewanderter Philologe, um seine ersten nützlichen Erfahrungen mit Rhetorik zu machen. Schauen wir uns deshalb die Tricks (Kunstgriffe) Schopenhauers in einer einfacheren Sprache mit praktischen Beispielen aus dem Alltag und dem Internet an.
Ich möchte vorab folgendes klarstellen: Arthur Schopenhauers Kunstgriffe basieren auf logischen Überlegungen, aber dies nur zum Teil. Früher ging es in der Rhetorik vor allem darum, Recht zu haben und zu behalten, nicht darum, zu einem logisch generierten Konsens zu gelangen. Das bedeutet, dass Fragen der Ethik nicht berücksichtigt wurden. Die Kunstgriffe verlangen in der Weise, wie Schopenhauer sie vorstellt, ein ausgefeiltes Wissen der Rhetorik und Logik aber auch Erfahrung darin, wie man jemand anderen schlicht und ergreifend „platt redet".
Im Alltag und im Internet kommt es eher selten zu ausgefeilten Diskussionen und Diskursen – die gewöhnlichen Gespräche mit gewöhnlichen Gesprächspartnern kennzeichnen sich kaum durch Logik und muten nicht selten geradezu erratisch an. Deshalb nenne ich die sogenannten „Kunstgriffe" lieber „Tricks", um deutlich zu machen, dass sie so oder so anwendet werden können: mit dem Ziel, ein gutes Gespräch zu führen, oder mit dem Ziel, den Anderen „fertig zu machen". Die Tricks sind Technik, und Technik (wie auch Wissenschaft) ist niemals ethisch. Es ist derjenige, der damit umgeht, der sie anwendet, der die Verantwortung für ihren Einsatz trägt. Die Beispiele, die ich im Folgenden aufführe, sind recht alltäglich und es kam mir bei ihrer Auswahl weniger auf wissenschaftliche Schärfe als auf leichte Nachvollziehbarkeit an. Natürlich sagen sie nichts darüber aus, ob derjenige, der das letzte Wort hat, wirklich derjenige ist, der sich in einer moralisch überlegenen Position befindet, und die von mir aufgeführten Beispiele geben keineswegs meine eigene Meinung zum jeweiligen Thema wieder.
Doch, es ist hilfreich zu sehen, wie Rhetorik eingesetzt werden kann, und deshalb habe ich hier auch Beispiele verwendet, die sozial ziemlich haarig sind. Es kommt darauf an zu wissen, wie man am Ende auf den jeweiligen Trick reagiert. Ein Gespräch ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist, und es sind unsere Fähigkeiten, die darüber entscheiden. Haben wir es mit einem unmoralischen Gegner zu tun und kennen wir die Tricks nicht, sind wir immer unterlegen, wenn er geschickt mit ihnen umgehen kann. Ken Wilber nennt „Boomeritis" - andere sprachen bereits vorher und allgemeiner von „Relativismus" - als ein dominierendes Kennzeichen unserer heutigen, „modernen" Gesellschaft.
Ein Boomer ist ein Mensch, der den Schritt gemacht hat zu begreifen, dass jeder Mensch ein Recht auf seine eigene Wahrheit hat, und dabei so weit geht, dass er jedem seine Wahrheit lässt – auch solchen Menschen, die mit ihrer Wahrheit ganz eindeutig Übles im Sinn haben. Boomeritis ist ein Ent wicklungsschritt, der konsequent der demokratischen Idee folgt, aber sie ist glücklicherweise nicht der Weisheit letzter Schluss.
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