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Antonio Moretto
Die Hegelsche Auffassung des Maßes in der Wissenschaft der Logik gemäß der Lehre vom Sein von 1832 (S. 75-76)
0. Einleitung
In der Wissenschaft der Logik stellt Hegel bei der „Eintheilung des Seyns" die folgende Dreiteilung vor: „Das Seyn wird sich darin in den drei Bestimmungen setzen I. als Bestimmtheit, als solche, Qualität, II. als aufgehobene Bestimmtheit, Größe, Quantität, III. als qualitativ bestimmte Quantität, Maaß." (I B 66/ TW5, 80) Wir sehen also, daß das Maß, abgeleitet von der Quantität, die als Negation der Qualität definiert ist, in Übereinstimmung mit der Hegelschen Auffassung von der Synthese der Gegensätze sowohl quantitative wie qualitative Eigenschaften aufweist. Nach Hegel entwickelt sich das Maß gemäß den drei folgenden Momenten: Es ist vor allem ein spezifisches Quantum, d. h. ein Quantum mit qualitativer Bedeutung, z. B. eine begrenzte Fläche von roter Farbe, die dazu dient, das Verhältnis zu einer dazu homogenen gleichfarbigen Größe zu bestimmen. An zweiter Stelle ist das Maß ein Verhältnis spezifischer Quanta als unabhängiger Maße. Drittens geht die Indifferenz der Bestimmungen des Maßes zum Wesen über. (Vgl. I B 326 f./ TW5, 390 f.) Wir sehen also, I) daß das Maß neben den quantitativen den qualitativen Aspekt setzt, II) daß in Vollendung seiner Dialektik das Maß nach Hegel den Übergang vom Sein zum Wesen vollbringt.
1. Die spezifische Quantität
1.1 Die mathematische Auffassung des Maßes
Als Maß ist das Quantum keine gleichgültige Grenze, vielmehr bringt in diesem Fall die Veränderung der Grenze eine Veränderung der Sache mit sich. Das Maß stellt die „bestimmte Natur von Etwas" dar. (Vgl. I B 330/ TW5, 395) In seiner ersten philosophischen Bedeutung ist das Maß also ein Quantum, dem eine bestimmte Qualität beigegeben ist, so daß gilt: „Das Quantum hat als Maaß aufgehört Grenze zu seyn, die keine ist, es ist nunmehr die Bestimmung der Sache, so daß diese, über diß Quantum vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge." (I B 330/ TW5, 395) Auf diese Weise wird von der Betrachtung des gleichgültigen Quantums zu der des spezifischen Quantums übergegangen.
Hegel präzisiert weiter: „Das unmittelbare Maaß ist eine einfache Größenbestimmung, wie z. B. die Größe der organischen Wesen, ihrer Gliedmassen und so fort. Aber jedes Existirende hat eine Größe, um das zu seyn, was es ist, und überhaupt um Daseyn zu haben. – Als Quantum ist es gleichgültige Größe, äusserlicher Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens um Mehr und Weniger fähig. Aber als Maaß ist es zugleich von sich selbst als Quantum, als solcher gleichgültiger Bestimmung, verschieden und eine Beschränkung jenes gleichgültigen Hin- und Hergehens an einer Grenze." (I B 331/ TW5, 396) Also kann man sagen: „ Alles, was da ist, hat ein Maaß" (I B 330/ TW5, 395)1, in dem Sinne, daß jedem Dasein ein genau bestimmtes Maß entspricht.
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