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Galilei der Künstler - Die Zeichnung, der Mond, die Sonne

Galilei der Künstler - Die Zeichnung, der Mond, die Sonne

von: Horst Bredekamp

Akademie Verlag GmbH, 2007

ISBN: 9783050043197, 524 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 39,80 EUR

Ersparnis: 5,00 EUR

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Galilei der Künstler - Die Zeichnung, der Mond, die Sonne


 

IV DER MOND UM 1600 (S. 83-84)

1. Leonardos Erbschaft

Auf keinem anderen Gebiet wurden Galileis während des Studiums zur zweiten Natur gewordene Prinzipien so unmittelbar fruchtbar wie in seinen astronomischen Forschungen. Eine Supernova, die vom Herbst 1604 bis zum Sommer 1605 am Himmel zu erkennen war, hat ihn herausgefordert, vermutlich im November 1604 drei Vorlesungen zu Fragen der Kosmologie zu halten. Er hielt seine Theorien für eine Publikation nicht ausreichend begründet,1 aber als sich Autoren äußerten, die unbeeindruckt von dem rätselhaften Himmelsphänomen die aristotelische Kosmologie verteidigten, veröffentlichte er im Jahre 1606 unter dem Pseudonym Alimberto Mauri eine Schrift, die auf erstaunliche Weise die Ergebnisse der Teleskopie vorausahnte.2 Sie enthielt unter anderem die Annahme, daß die Ober.äche des Mondes „nicht durchgängig glatt ist, sondern daß es auf dem Mond auch Berge von gigantischer Größe gibt, gerade wie auf der Erde, oder gar noch größer, weil sie für uns erkennbar sind, denn von diesen, und von nichts sonst, treten auf dem Mond schorflge kleine Eintrübungen auf, weil weit gerundete Berge (wie Perspektiviker lehren) das Licht der Sonne nicht erhalten und re.ektieren können wie es der Rest des Mondes, flach und glatt, tut".

Galilei wird seine Meinung über die Re.ektionsfähigkeit von Bergen und Gewässern zwar noch vor der Er.ndung des Teleskops schon im folgenden Jahr in sein Gegenteil verkehren, aber das Ziel seiner Erläuterung, die Unebenheit des Mondes zu begründen, war hiervon nicht grundsätzlich berührt.

Diese Differenzierung der Mondober.äche zwischen planen Ebenen und schrundigen Aufwerfungen widersprach der gültigen Lehre, derzufolge der Mond eine glatte Sphäre war, die als perfekte Form von der Harmonie des Kosmos zeugte. Wie alle Himmelskörper galt er als Bestandteil jener ätherischen Zone, in der die Sterne ideale Körper bildeten, die nicht durch feste Stoffe korrumpiert waren. Da der Mond im- mer gleich aussah, hatte Aristoteles in ihm eine ätherische Scheibe gesehen, und da diese leuchtete, galt sie als eine zweite Sonne. Für das Problem, daß ein von irdischer Materie freies Gebilde Flecken und Aufhellungen zeigt, die an Meere und Wüsten denken lassen, hatte Aristoteles darin eine Lösung geboten, daß er die Unregelmäßigkeiten als Spiegelung der Land- und Wassermassen der Erde erkannte. Auch der islamische Gelehrte Averroes hatte an Aristoteles’ Lehre vom Mond als einem eigenständigen Leuchtkörper festgehalten, der sein Leuchtvermögen ähnlich dem Entzünden eines Zündholzes von der Sonne stimulieren ließ.6 Daß der Mond neben den hellen, leuchtenden Flächen auch dunkle Zonen besaß, die nicht oder nur in geringerem Maß Licht präsentierten, erklärte Averroes mit der unterschiedlichen Dichte seines ätherischen Körpers.7 Entscheidend war, daß der Mond kein Derivat der Sonne, sondern ein vollgültiger, selbst scheinender Himmelskörper war. Diese Theorie galt bis in die Zeit Galileis, der sie beherrscht und in Padua auch gelehrt hat, um sie im Dialogo von 1632 nochmals zum Objekt einer Auseinandersetzung zu machen.

Seine Äußerung von 1606, daß der Mond eine materielle Konsistenz mit gebirgigen Erhebungen besaß, kam jedoch weniger überraschend als es scheinen mag. Den Zeitgenossen war diese Theorie durch Plutarch bekannt, der gegen Ende des ersten Jahrhunderts in seiner Schrift De facie in orbe lunae einen der Dialogpartner die Theorie e hatte vertreten lassen, daß der Mond dieselbe Beschaffenheit wie die Erde aufweise. Von der sprachlichen Inspiration, mit der Plutarch das auf der variablen Ober.äche des Mondes aufscheinende Licht beschrieb, war Galilei, der die Schrift besaß, tief beeindruckt, und Zeitgenossen wie Giovanni de’Medici haben seine Theorie ohne Umschweif mit Plutarch in Verbindung gebracht.