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Selbstbewegung des Willens bei Thomas von Aquin

Selbstbewegung des Willens bei Thomas von Aquin

von: Yul Kim

Akademie Verlag GmbH, 2007

ISBN: 9783050042565, 227 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 54,80 EUR

Ersparnis: 5,00 EUR

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Selbstbewegung des Willens bei Thomas von Aquin


 

Kapitel I. Vorüberlegungen zum Hintergrund des Problemfeldes (S. 21-22)

1. Historischer Hintergrund

1.1. Die Ursprünge und die Entwicklung des Freiheitsbegriffes bis zum 13. Jahrhundert

(1) Nikomachische Ethik des Aristoteles

Der mittelalterlichen Diskussion um die Freiheit des Willens liegt ein durch sehr komplexe geschichtliche Phasen der unterschiedlichen Traditionen entwickelter Begriff der Freiheit zugrunde. Trotz der ins Grundsätzliche gehenden Variabilität des Freiheitsverständnisses kann der Begriff der Freiheit in allgemeiner Hinsicht von zwei Ursprüngen her erfasst werden: Der eine davon ist die Nikomachische Ethik des Aristoteles, wo er als erster eine theoretische Analyse der menschlichen Handlung aufgestellt hat.

In der Nikomachischen Ethik legt er die Grundbegriffe dar, anhand deren man die Eigenart der menschlichen Handlung erfassen kann, wie z.B. Praxis, Streben, Freiwilligkeit, Wählen, Akrasia, Verantwortlichkeit, Tugend. Davon gilt vor allem der Begriff des Wählens ( prohairesis ) als wichtiger Ansatz für die mittelalterliche Freiheitskonzeption. Nach Aristoteles ist die Handlung des Menschen deswegen von der Bewegung der anderen Lebewesen unterschieden, weil der Mensch durch die Wahl seine Handlung hervorbringt. Um den Begriff des Wählens zu verstehen, durch welches die Handlung des Menschen zum Gegenstand des Lobens und des Tadels wird, muss man zwei Aspekte der menschlichen Handlung ins Auge fassen. Einerseits schließt sich das Wählen an die freiwillige ( hekousion) Handlung, die den aus Unwissenheit ( di agnoian) oder unter Zwang ( bia ) erfolgenden Handlungen gegenübersteht. Damit eine Handlung freiwillig ist, muss das Prinzip für die Bewegung im Handelnden selbst stehen, und der Handelnde muss die einzelnen Umstände der Handlung kennen.

Aber der Begriff des Wählens erschöpft sich nicht in der Freiwilligkeit einer Handlung, denn auch Kinder oder Tiere können ja freiwillig handeln, ohne eine Wahl zu treffen. Damit der Mensch die Wahl trifft, muss er überlegen, welches für ihn der gute Gegenstand ist, und gerade auf dem Wählen im Sinne der bewussten und überlegenden Entscheidung beruht der moralische Charakter einer Handlung. So definiert Aristoteles das Wählen als ein von Überlegung bestimmtes Streben ( bouleutike orexis).

Das Wählen enthält also in sich nicht nur das voluntative und freiwillige Moment, sondern auch das kognitive Moment, d.h. die vernünftige Überlegung des Strebensgegenstandes. 4 Diese beiden Momente im Wählen besagen, dass der Mensch ein der natürlichen Form des Menschen zukommendes Streben besitzt und durch die Verknüpfung dieses Strebens mit der Vernunft das Wählen als ein Ausdruck der dem Menschen eigenen Wirkursächlichkeit geschieht. Von diesen Momenten ist die Sicht des Aristoteles grundlegend geprägt: Einerseits wird der Wille als eine bestimmte Form des Naturstrebens angesehen, und das willentliche Wählen drückt die Spontaneität einer bestimmten Natur als inneren Prinzips für die Tätigkeit aus. Aber sofern die willentliche Entscheidung ohne Vernunft undenkbar ist, wird andererseits auch der Unterschied des menschlichen Tätigkeitsprinzips von der entscheidungsunfähigen Natur angedeutet.