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2 Neurobiologische Grundlagen der medizinischen Hypnose (S. 7)
U. Halsband und A. Herfort
2.1 Einführung
Mit dem Befund, dass eine hypnotische Tranceinduktion zu plastischen Veränderungen im menschlichen Gehirn führt, gelang ein wesentlicher Durchbruch in der Erforschung der neuronalen Grundlagen der Hypnose. Aus neurowissenschaftlicher Perspektive besteht Übereinstimmung, dass eine hypnotische Tranceinduktion ein neurobiologisch erfassbares Korrelat der Hirnfunktion in einem veränderten Bewusstseinszustand darstellt (Rainville et al. 2002).
Ein spannendes neurowissenschaftliches Thema in der Tranceforschung ist die Fragestellung, welche neurobiologischen Mechanismen diesem veränderten Bewusstseinszustand zugrunde liegen. Zur Untersuchung der neurobiologischen Grundlagen der Hypnose wurden zunächst neurophysiologische Methoden, wie die Untersuchung anhand des Elektroenzephalogramms (EEG), zusammen mit der Analyse von evozierten Potenzialen (EPS) eingesetzt.
Historisch betrachtet wurden hirnphysiologische Untersuchungen mittels EEG bereits von Berger (1931) durchgeführt. Beim EEG entspricht das gemessene Signal einer Summation von postsynaptischen Dendritenpotenzialen. Insbesondere die senkrecht zur Kortexoberfl äche stehenden Dendriten der Pyramidenzellen tragen einen wesentlichen Anteil zum gemessenen bioelektrischen Signal bei.
Die klassische Technik der Analyse der mit EEG erhobenen neurowissenschaftlichen Daten stellen die ereigniskorrelierten Potenziale (EKPs) dar. Bei dieser Technik präsentiert man die Stimuli rasch hinterei nander und mittelt die für jede Elektrode gemessenen Signale für einzelne Stimulusklassen über alle Wiederholungen hinweg.
Ein wesentlicher Durchbruch gelang der modernen Hirnforschung mit der Einführung der Verfahren der dynamischen Bildgebung. Hierzu zählen die Positronenemissionstomographie (PET) und die funktionelle Magnetreso- nanztomographie (fMRT), die die Darstellung funktionsabhängiger Veränderungen mit einer hohen räumlichen Aufl ösung ermöglichen.
Somit gelang es, Aktivierungen im Gehirn gewissermaßen „on-line" zu analysieren. Hierbei misst die PET den regionalen Blutfl uss im Gehirn unter Verwendung radioaktiv markierter Substanzen, so genannter Positronenstrahler. Die PET erlaubt die absolute Quantifi zierung des regionalen zerebralen Blutfl usses (rCBF) (Frackowiak et al. 1980, Herzog et al. 1996).
Im Gegensatz hierzu handelt es sich bei der fMRT um ein nichtinvasives Verfahren, das auf den magnetischen Eigenschaften des Gewebes beruht. Von essenzieller Bedeutung ist hierbei das BOLD-Verfahren (Blood Oxygenation Level Dependent), das auf den unterschiedlichen elektromagnetischen Eigenschaften des mit Sauerstoff beladenen Hämoglobins basiert und Veränderungen des Blutes im Gehirngewebe misst, die durch erhöhte Neuronenaktivität ausgelöst werden.
Logothetis et al. (2001) gelang es nachzuweisen, dass mit BOLD-fMRT tatsächlich Veränderungen der Neuronenaktivität gemessen und vor allem Eingangssignale aus anderen Hirnarealen und ihre lokale Verarbeitung erfasst werden.
Obwohl die fMRT als nichtinvasives Verfahren diverse Vorteile gegenüber der PET aufweist (Otte u. Halsband 2006), wurde dennoch bei der Mehrzahl der Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Hirnmechanismen der Hypnose die PET als geeignetes Instrumentarium gewählt, da es sich hierbei um eine geräuscharme Versuchsanordnung handelt, die einer Tranceinduktion nicht entgegenwirkt.
Im Gegensatz hierzu ist der Proband im fMRT einem konstanten Geräuschpegel von zirka 100 Dezibel ausgesetzt, der zwar mittels Spezialkopfhörer auf zirka 30 Dezibel gesenkt werden kann, aber immer noch eine Störquelle darstellt. Im Vergleich zum EEG, das eine deutlich höhere zeitliche Aufl ösung besitzt, weisen fMRT und PET eine höhere räumliche Aufl ösung auf.
2.2 Neurophysiologische Korrelate – Untersuchungen mit EEGEs ist heutzutage unumstritten, dass sich der Hypnosezustand im EEG eindeutig vom Schlafzustand abgrenzen lässt (Tasman et al. 1997).
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