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Hamam (S. 9-10)
Zwei Jahre Singledasein haben mich um einiges selbstbewusster gemacht. Gezwungenermaßen, denn nicht für jede Unternehmung konnte ich andere begeistern. Und um nicht einsam zu Hause zu versauern, musste ich eben meine an fänglichen Ängste überwinden und ab und zu alleine losziehen. Den noch empfand ich mich durch dieses Leben als lonesome wolf nicht nur freier, sondern auch irgendwie enger (»Was fängt man mit so viel Freiheit schon an?«).
Weil es zu zweit dann doch mehr Spaß macht, bin ich ein paar Mal mit meiner Freun din Rosa verreist. Allerdings lohnt sich für sie ein Urlaub erst dann, wenn sie am Zielort mindestens einen Lover hat. Ich hingegen lege großen Wert darauf, einzigartig, nicht austauschbar zu sein, und die Vorstellung, dass ich mich in eine Riege von ungezählten liebeshungrigen Frauen aus aller Welt einreihe, beleidigt mich schon von vornherein. Also waren die ersten Urlaubstage mit Rosa jedes Mal ein einziger Spießruten lauf, bis die erfüllungswilligen Kumpane ihrer Liebhaber begriffen, dass ich keine »Sextouristin« war.
Ja, je länger ich ohne Mann war, desto wählerischer, vielleicht auch moralischer wurde ich. Irgendwann wird schon der Richtige kommen, der das zu schätzen weiß, dachte ich mir. An meinem Geburtstag vor zwei Tagen hatte ich derart die Schnauze voll, nur von Pärchen umringt zu sein, dass ich erst gar nicht feierte. Meine drei engsten Freundinnen ließen mich trotzdem nicht im Stich und überraschten mich mit einem Gutschein.
Schön, so ein Wellness-Tag mit Freundinnen, warum haben wir das noch nie gemacht?, dachte ich, als ich gestern die geschnitzte und eisenbeschlagene schwere Holztür öffnete. Schon beim Betreten des Hamam fühlte ich mich in eine fremde Welt versetzt: gedämpftes Licht, Schwüle, bunte Wände, reich verzierte Säulen und Kacheln, ein schwerer Duft nach Lilien, Rosen und Jasminblüten. Bevor ich mich richtig orientieren konnte, kamen zwei Frauen in orientalischer Kleidung auf mich zu. Beide trugen hauchfeine durchsichtige, knöchellange Kaftane, der eine in Orange, der andere in Aquamarin, und farblich dazu passende, bestickte Seidenschläppchen. So bald sie vor mir standen, konnte ich jede Sehne, jede Wölbung ihrer nackten Körper unter dem seidigen Stoff erkennen. Ihre dunklen Augen waren pechschwarz mit dicken Kajal strichen umrandet, und als sie mich an lächelten, zeigten beide strahlend weiße Zähne in einem olivhäutigen Gesicht.
Ich hatte keine Zeit, mei ner Verwunderung über das offenherzige Auftreten dieser Araberinnen – die ich bisher nur schwarz verschleiert und vermummt wahrgenommen hatte – Ausdruck zu verleihen. Denn sogleich packten sie mich mit forschem Griff an den Handgelenken und führten mich durch eine mit orientalischen Ornamenten bemalte Tür in eine Art Behandlungsraum, in dem verschiedene Liegen und Stühle standen. An der Stirnseite des riesigen, aber durch die raumteilenden Säulen den noch intim wirkenden Saales befanden sich Umkleidekabinen: einzelne hübsche, blauweiß gestreifte Strandhäuschen, wie auf Sylt. Die Frau in Orange zeigte auf die Kabinen und nickte mir auffordernd zu. Gehorsam verschwand ich in einer da von und entledigte mich meiner Kleidung.
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