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5. 18. März 2166
Der geschäftstüchtige Samariter (S. 35-36)
Perry Rhodan beschleunigte den altersschwachen Gleiter, soweit er es verantworten konnte. Fahrtwind fuhr durch seine Haare und zerrte an der leichten Kombiuniform, die er im Gefangenenlager gefunden hatte. Zum ers-ten Mal seit seiner Ankunft auf Sepzim hatte er das Gefühl, die Fäden in der Hand zu halten. Nur lief ihm die Zeit davon, er musste Noarto-Mantara schnellstmöglich erreichen. Im Warabi-Lager der Grall hatte er sich nicht mehr lange aufgehalten. Die Ex- Gefangenen hatten zuerst nicht eingesehen, dass sich der tatkräftige Terraner von ihnen absetzen wollte, doch Rhodan war stur geblieben und hatte einen der drei vorhandenen Gleiter für sich beansprucht.
Ausgerüstet mit Wasser, Konzentraten, Aufputschmitteln und zwei Strahlern war er aufgebrochen. Der Weg nach Noarto-Mantara war in der Positronik des Gleiters gespeichert, sodass er das Medo-Center zielgenau erreichen sollte. Für die Fahrt durch die Wüste, von der er nun wusste, dass sie die Brennende genannt wurde, hatte die Positronik drei terranische Stunden vorausberechnet. Wenn nichts dazwischenkam. Ein Stöhnen ertönte.
Rhodan behielt den Steuerknüppel in der linken Hand und wandte sich zu der Gestalt um, die er im Beifahrersitz festgezurrt hatte.
»Durchhalten, mein Freund«, rief er über das Motorengeräusch des Gleiters hinweg. »Ich bringe dich nach Noarto-Mantara, wie du es wolltest.«
Jeremon Lazaru verdrehte die Augen, bis er Rhodan fi xieren konnte. In seinen behelfsmäßigen Verbänden, die ihm Rhodan angelegt hatte, bot er einen bemitleidenswerten Anblick.
»Kalt ... Schmerzen«, stammelte er. »Mehr Medi...«
Rhodan tippte an den Dispenser der Infusion, die er Lazaru verpasst hatte. Gleichmäßig wurde dessen Blutkreislauf mit der Nährlösung versorgt. »Es wäre noch zu früh, dir weitere Schmerzblocker zu geben, Jeremon. Ich habe die Medikamente im Krankenzimmer des Lagers gefunden und traue ihnen noch nicht. Das Letzte, was ich will, ist dir eine Überdosis zu verabreichen. Wir warten noch eine Stunde, in Ordnung?«
Lazaru stöhnte, nickte aber ergeben.
Es grenzte an ein Wunder, dass Lazaru überhaupt noch lebte. Als die Männer Rhodan zu der Warabi-Tränke geführt hatten, fand er den Halbarkoniden auf einer Art Steinaltar gefesselt vor. Rhodan hatte keinen Puls mehr gefühlt und sofort mit einer Herzmassage begonnen. Dabei musste er seinem Gefährten ein oder zwei Rippen gebrochen haben, was die Massage deutlich vereinfachte. Nach etwa zwanzig vorsichtigen Massagestößen – immerhin hatte er weder Herz noch Lunge seines Freundes verletzen wollen – war Lazaru wieder ins Leben zurückgekehrt. Der Halbarkonide verdankte sein Leben der Tatsache, dass er vom Vater Rippen geerbt hatte und nicht mit der starren Knochenplatte der Mutter ausgestattet war, wie sie der Physiologie der Arkoniden von Natur aus entsprach.
Lazaru, der Auferstandene.
Rhodan wandte sich wieder der Steuerung zu, doch der letzte Gedanke ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Nachdenklich blickte er auf die an ihm vorbeifl iegende Wüstenlandschaft.
Ich bin weit über 200 Jahre alt, doch es verblüfft mich immer wieder von Neuem, wie sich ein hauchdünner Faden Ironie durch das ganze Leben zieht. Nur zwei Planetentage war es her, seit er auf seinem Gewaltmarsch durch die Wüste von der Erinnerung an Toivalainens Vorhersage gequält worden war. Als der akute Wassermangel und die brutale Hitze seinem verletzten Hirn schon so zugesetzt hatten, dass sich sein Geist für ihre religiösen Phantastereien öffnete.
Und was war dann passiert? Kaum hatte er sich einigermaßen erholt, traf er einen Mann, der fast genauso hieß wie eine biblische Gestalt, die von den Toten auferweckt worden war – und holte ihn mittels Herzmassage ins Leben zurück. Fast meinte er ES lachen zu hören. Nicht nur das Geisteswesen vom Planeten Wanderer, sondern auch das Leben selbst zeigte immer wieder Sinn für Humor. Unwillig schüttelte Rhodan den Kopf. Um sich und seinen verletzten Gefährten abzulenken, wandte er sich zu Lazaru. »Du hast mir noch gar nicht erzählt, weshalb du im Gefangenenlager gesteckt hast.«
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