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Kapitel 4 Die geheimen Verführer (S. 70-71)
Bei eBay kann man sprechende Behälter für Süßigkeiten ersteigern, von denen die begehrtesten die Form eines pinkfarbenen Schweins haben, das mit Sensoren ausgestattet ist. Diese reagieren, wenn man ein Bonbon herausholen möchte, und es ertönt ein vernehmliches Grunzen, das erst aufhört, wenn die Hand sich wieder zurückzieht – mit oder ohne Süßigkeit. Solche Bonbonschweine verkaufen sich im Regelfall für etwa zwölf Dollar, ein zu niedriger Preis, als dass sich daraus eine ähnliche Scherzform für Kühlschränke oder Schreibtische oder andere potenzielle Süßigkeiten- Verstecke entwickeln könnte. Pech für uns, die wir so häufig ohne Sinn und Verstand essen.
Ein unwiderstehlicher Anblick
Die meisten von uns tappen in die Falle, wenn der Geruch oder Anblick von etwas Essbarem unseren Appetit weckt. Glauben Sie wirklich, dass Sie der Schokolade auf dem Schreib- oder Wohnzimmertisch lange widerstehen werden? Stellen wir uns vor, dass alle Sekretärinnen eines Unternehmens als persönliche Anerkennung für ihre treuen Dienste hübsche, verschlossene Schachteln mit jeweils 30 Pralinen geschenkt bekommen. Die Hälfte dieser Schachteln ist durchsichtig, die andere weiß, sodass die Pralinen darin nicht zu sehen sind, solange der Deckel daraufbleibt. Stellen wir uns weiter vor, dass wir jeden Abend, wenn die Sekretärinnen nach Hause gegangen sind, zählen, wie viele Pralinen sie gegessen haben, und die Schachteln auffüllen – zwei Wochen lang. Diese Studie führten Dr. Jim Painter und ich mit einem Mordsspaß durch, denn alle lieben Gratispralinen.
Leider sind die Ergebnisse nicht ganz so erheiternd für Leute, die auf ihr Gewicht achten wollen. Sekretärinnen, die eine der durchsichtigen Schachteln erhalten hatten, griffen 71 Prozent häufiger hinein als diejenigen mit den weißen (7,7 gegenüber 4,6 Mal). An jedem Tag, an dem die Schachtel sich auf ihrem Schreibtisch befand, nahmen sie 77 Kilokalorien extra zu sich. Auf ein Jahr hochgerechnet, hätte das eine Gewichtszunahme von über 5 Pfund bedeutet. Und vermutlich wäre keiner der Sekretärinnen bewusst gewesen, woher diese rührte. Dieses Prinzip der Sichtbarkeit verfolgt uns den ganzen Tag über.
In einer Studienreihe der Columbia University aus den sechziger Jahren stellten Wissenschaftler ihren Testpersonen in der Mittagszeit einen Teller mit Essen (zum Beispiel mit kleinen Geflügelsalatsandwiches) hin, teils mit durchsichtiger, teils mit Alufolie zugedeckt. In fast allen Tests aßen die Probanden mehr von den Nahrungsmitteln in der durchsichtigen als von denen in der Alufolie.2 Warum ist das so? Wir verzehren mehr von dem deutlich sichtbaren Essen, weil wir uns gedanklich stärker damit beschäftigen. Jedes Mal, wenn unser Blick auf die Schale mit den Süßigkeiten fällt, müssen wir entscheiden, ob wir der Versuchung widerstehen wollen oder nicht. Alle 5 Minuten ein solcher Blick bedeutet zwölf Nein-Entscheidungen pro Stunde. Irgendwann wird aus dem Nein ein Ja, normalerweise in Form eines »Nur die eine …«.
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