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50 Praxistools für Trainer, Berater und Coachs. Überblick, Anwendungen, Kombinationen
Tool 23: My friend John (S. 81-82)
Ziel
Ziel dieses Tools aus der Hypnotherapie ist es, dem Zuhörer mit Hilfe einer Geschichte zu einer neuen Idee zu verhelfen.
Beschreibung
In der Beratung, im Training und im Coaching ist es manchmal wichtig, gezielt Ideen zu säen. Dies geschieht häu. g über Ratschläge: »Sie könnten einmal dieses und jenes ausprobieren …« Da es bei Ratschlägen aber die Tendenz gibt, Ihnen als Berater darzulegen, dass die Ratschläge nicht funktionieren können, greift Milton Erickson mit seiner »My friend John«-Methode zu einem Trick: Er erklärt seinen Patienten nicht, was er für sinnvoll und richtig in dieser Situation hält, sondern er erzählt eine Geschichte von seinem Freund »John«, dem es einmal ähnlich ergangen ist wie dem Patienten, und breitet aus, welche Lösungen dieser Freund gefunden hat. Diese elegante Form, Widerstände zu überwinden, kann auch auf verschiedene Geschichten ausgedehnt werden, um dem Coachee mehrere Handlungsmöglichkeiten anzubieten. Im Trainingskontext wird »My friend John« in das Benchmarking übersetzt: Was machen andere Firmen mit ähnlichen Aufgabenstellungen besser? Welche Erfolgsrezepte gibt es bereits?
Anwendung
Anwendung kann diese Methode sehr leicht in Coachings . nden. Auch dort ist es besser, nicht als der Alleswisser und Alleskönner aufzutreten und für jedes Problem eine Lösung parat zu haben. Erfolgversprechender ist es, wenn der Coachee seine eigene Lösung entwickelt. Manchmal aber steht der Coachee auf »der Leitung«. Ihm fällt einfach nichts ein, und so wendet er sich hilfesuchend an den Coach. Funktioniert das Entwickeln von Ideen über Fragen nicht, so kann zu der John-Technik gegriffen werden.
Der Coach erzählt dem Coachee ausführlicher von einem seiner Coachees, von einem Kollegen oder von einem Freund, der etwa in einer vergleichbaren Situation war, und stellt dar, wie dieser eine Lösung gefunden hat. Er kann auch gleich die Vor- und Nachteile der Lösungen aufzeigen. Erzählen Sie mehrere Geschichten, hat der Coachee die Wahl, wie er weiter vorgehen möchte. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Coa Beratung chees auf der Basis der Erfahrungen Ihres Freundes John ihren eigenen Lösungsweg entwickeln. Wichtig ist, dass die John-Geschichten auch extreme Fantasien zulassen.
Sitzen Sie beispielsweise einem Manager gegenüber, der sich über seine mangelnde Work-Life-Balance beklagt, dann erzählen Sie eine Geschichte über einen Freund, der von heute auf morgen alles hat stehen und liegen lassen, und erarbeiten anhand dieser Geschichte die Vor- und Nachteile des Vorgehens. Denn der erste, emotionale Ausweg aus einer be- oder überlastenden Situation sind Fluchtgedanken. Diese werden so abgefangen, gewürdigt und aus der Distanz betrachtet.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten in Beratung, Training und Coaching
Ähnlich wie im Coaching kann das Tool in der Beratung Anwendung finden. Hier besteht ein ähnliches Setting – das für das Coaching Gesagte kann übertragen werden. Das Tool ist vor allem dann hilfreich, wenn die Klienten dazu neigen, alle Ratschläge des Beraters zu torpedieren, und immer wieder versuchen zu erklären, warum es so, wie sich das der Berater vorstellt, nicht funktionieren kann. Im Training kann diese Technik auch dazu führen, dass Ideen kreiert werden. Das passt immer dann, wenn die Seminargruppe in der Problemorientierung feststeckt und von sich aus keine Lösungsansätze findet. Sie können in diesem Fall eine konkrete Aufgabe zur Lösungsfindung stellen. Zur Einführung dieser Aufgabe erzählen Sie dann verschiedene Geschichten von anderen Teams oder Unternehmen und berichten, wie diese eine schwierige Situation bewältigt haben. Je spannender und interessanter Sie erzählen, umso eher werden seitens der Zuhörer Ideen zur produktiven Problemlösung geboren.
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