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"Aufklärung ist Ärgernis,
wer die Welt erhellt,
macht ihren Dreck deutlicher."
Karlheinz Deschner
Vorwort
Vom 13. bis 16. März 2008 fand in Washington D.C. eine beachtenswerte Tagung statt.
Sie stand unter dem Motto:
„Iraq Veterans Against The War (IVAW)“
Im Vorfeld dieser Tagung hatte bereits in Berlin vom 07. bis 09. März 2008 eine Iraq-Konferenz stattgefunden.
Obwohl mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten besetzt, war die Resonanz der hiesigen Medien auf die Konferenz vergleichsweise gering. Die Vorbereitungen zur amerikanischen Tagung hatten bereits am 28. Januar 2007 begonnen.
Teilnehmer der Tagung waren 150 Iraq-Kriegsveteranen vom Gefreiten bis zum Hauptmann. Einige Teilnehmer befanden sich noch im aktiven Dienst der US-Streitkräfte. Sie bewiesen grossen Mut, da sie im Nachhinein mit erheblichen Repressalien rechnen müssen.
Aus Sicherheitsgründen musste die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Nur Familienangehörige sowie einige ausgewählte Medienvertreter hatten Zutritt zum Tagungsraum. An drei Tagen berichteten 54 Rednerinnen und Redner unzensiert über ihre Erlebnisse im Iraq. Am letzten Tag, dem 16. März 2008 hatten die Veranstalter den Tagungsraum für 235 Minuten live in's Internet gestellt und gleichzeitig Originalvideos und Photos aus dem Iraq und Afghanistan ausgestrahlt.
Parallel zur Tagung fanden in verschiedenen Städten der USA, in Kanada, London, Rom und Berlin Demonstrationen statt. Interessanterweise haben die deutschen Medien darüber kaum informiert. Die Teilnehmer berichteten, mit welcher Härte die US-Armee anfangs gegen die irakischen Soldaten und Zivilbevölkerung vorgegangen ist. Die Genfer Konvention zum Schutz der Bevölkerung wurde, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht eingehalten. Im großen Stil wurden Geschäfte, Häuser und Wohnungen geplündert, sowohl von Zivilisten, als auch von US-Soldaten. Unter den Augen der US-Armee wurde das irakische Nationalmuseum ausgeraubt. Im Iraq herrschte in den ersten Monaten die reinste Anarchie. Die Infrastruktur der Großstädte war durch das wochenlange Bombardement der US-Luftwaffe teilweise zerstört. In den Großstädten gab es kaum mehr sauberes Leitungswasser und keine Elektrizität. Die Bevölkerung musste sich mit Kerzen und Dieselgeneratoren behelfen. Die Lebensmittelversorgung war zusammengebrochen und das Gesundheitssystem funktionierte nicht mehr. Polizei und Beamtenstand waren von der US-Militärbehörde teilweise entlassen worden, welches den Zusammenbruch jeglicher öffentlichen Ordnung zur Folge hatte.
Aus Vergeltung für getötete Kameraden wurden sowohl anfangs als auch später gleichwohl Kinder, Frauen und Männer jeden Alters wahllos erschossen. Frauen, eingehüllt im Tschador, wurden von Soldaten im offenen Gelände vergewaltigt, bzw. zu sexuellen Handlungen gezwungen. Über 2000 sexuelle Übergriffe von Soldaten sind bisher registriert worden.
Es wurden 350 Tonnen militärischer Sprengstoff aus einem Depot gestohlen, obwohl der Standort des Bunkers der US-Armeeführung durch UN-Inspektoren bekannt gewesen ist. Dieser Sprengstoff vagabundiert seitdem im Iraq und Personen jeglicher Couleur haben Mittel und Wege gefunden, um diesen zu beschaffen. Die US-Regierung hat argumentiert, die Sicherung der Erdölanlagen habe anfangs oberste Priorität besessen, um Anschläge zu verhindern, die erheblichen Schaden hätten anrichten können. Andere Objekte hingegen wurden nur unzureichend geschützt. Auch werden rund 200.000 Handfeuerwaffen aus US-Armeebeständen zur Wiederbewaffnung der irakischen Polizei und Armee vermisst.
Durch den Regimewechsel haben sich nunmehr auch vorgebliche konfessionelle Spannungen zwischen Schiiten (ca. 60 %) und Sunniten (ca. 20 %) entladen, die bis heute andauern. Außerdem fordern die Kurden im Norden des Irak mit seinen reichen Erdölvorkommen völlige Autonomie von Bagdad, wenn nicht gar einen eigenen Staat. Das gleiche gilt auch für die Schiiten und Sunniten des Iraq mit ebenfalls großen Erdölvorkommen. Weiterhin wurde auf der Tagung berichtet, dass seit der Einnahme von Bagdad bis zum 15. März 2008 3.973 US-Soldaten bei Anschlägen getötet worden sind.
Bei Redaktionsschluss für dieses Vorwort war die Zahl bereits auf über 4.000 angestiegen. Die Verluste unter der Zivilbevölkerung sind jedoch um ein Vielfaches höher anzusetzen. Genaue Zahlen von Regierungskreisen liegen jedoch nicht vor.
Im gleichen Zeitraum haben 4.000 Iraq-Kriegsveteranen durch Suizid ihr Leben verloren. Derzeit liegt die monatliche Suizidrate bei 150 Iraq-Veteranen. Im Vergleich dazu fielen während des Vietnamkrieges 52.000 US-Soldaten. Bis zum heutigen Tag haben aber 60.000 US-Veteranen durch Suizid ihr Leben beendet.
Am 20. März 2003 begann der Krieg gegen den Iraq ohne UN-Mandat durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika sowie des Vereinigten Königreiches (UK).
Als Casus belli wurde angeführt:
Die Vernichtung der angeblich noch vorhandenen Massenvernichtungswaffen sowie den Sturz des irakischen Präsidenten Sadam Hussein. Unterbindung einer vorgeblichen Unterstützung des Terrornetzes Al-Quaida.
Einsetzung einer demokratisch gewählten Regierung mit der Hoffnung eines Dominoeffektes auf die arabischen Anrainerstaaten.
1. Beweise für noch vorhandene Massenvernichtungswaffen konnten weder während des Krieges noch danach erbracht werden.
2. Für die angebliche Unterstützung von Al-Quaida durch die irakische Regierung gab es keinerlei Anhaltspunkte.
3. Die Beherbergung von Terroristen konnte nicht nachgewiesen werden.
Im Mai 2003 hatte der stellvertretende US-Verteidigungsminister Wolfowitz erklärt: „Aus bürokratischen Gründen“ habe man die Massenvernichtungswaffen hervorgehoben, weil nur so im engeren Kreis eine Mehrheit gefunden werden konnte.
Im November 2005 räumte Präsident Bush ein, dass die Informationen der US-Nachrichtendienste falsch gewesen seien.
Nachdem sich die Sicherheitslage im Iraq aufgrund von Truppenverstärkungen ab Juli 2007 merklich gebessert hatte, hat sich die Lage seit Februar 2008 wieder verschlechtert. Bis Juli 2007 starben durch Attentate monatlich bis zu 1.500 Personen. Im März 2008 starben durch Attentate 1.060 Personen, davon allein 920 Zivilisten.
Die im Nahen, bzw. Mittleren Osten akkreditierten Internationalen Nachrichtenagenturen berichten täglich von einer sich verschlechternden Sicherheitslage, sowohl im Iraq als auch in Afghanistan.
Abschliessend sei bemerkt, dass die Mehrheit der deutschen Medien die derzeitige Sicherheitslage sowohl im Iraq als auch in Afghanistan eher positiv beurteilt. Dieser Bewertung kann sich der Herausgeber der Photodokumentation aufgrund der ihm vorliegenden Informationen nicht anschliessen. Vielmehr muss von einer sich wieder verschlechternden Sicherheitslage sowohl für den Iraq als auch für Afghanistan ausgegangen werden.
Einem Internetaufruf der IVAW-Veranstalter folgend, hat der Herausgeber der Bitte entsprochen, aus dem vorliegenden Videomaterial eine Photodokumentation zu erstellen. Diese stellt er hiermit der Öffentlichkeit vor.
Die Photodokumentation zeigt, was seit März 2003 im Iraq geschah und bis heute geschieht. Der Herausgeber hat auf jegliche Kommentierung der Photos verzichtet.
Die Photodokumentation ist in fünf Gruppen unterteilt:
1. Photos vom Tagungsort
2. Die Einnahme von Bagdad
3. Eine Innenansicht aus dem Gefängnis Abu-Ghraib in Bagdad
4. Ansichten aus dem heutigen Leben in Bagdad
5. Das US-Gefangenenlager Camp Delta in Guantanamo auf Kuba
6. Eindrücke aus Afghanistan
Jochen Schneider
Im Juni 2008
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