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4 Das Semantic Web (S. 75-76)
4.1 Begriffsklärung
Das Semantic Web ist eine im Gange befindliche Weiterentwicklung des World Wide Web (WWW) mit dem Ziel, einen höheren Automatisierungsgrad bei der elektronischen Abwicklung von Geschäftsprozessen zu erreichen. Dabei wird die Abwicklung von Geschäftsprozessen weit gefasst: Sie schließt die Beantwortung einer einfachen Suchanfrage ebenso ein wie das Erbringen einer zusammengesetzten Leistung, die eine Auflösung (Decomposition) der Anfrage und eine Zusammensetzung (Composition) von Teilleistungen voraussetzt und damit die Koordination verschiedener Leistungserbringer und die Verwaltung von verteilten Zugriffsrechten. Der höhere Automatisierungsgrad soll durch eine Reihe von Ausbaustufen erreicht werden, auf die in den Unterkapiteln Schichten des Semantic Web und Technologien des Semantic Web ausführlich eingegangen wird. Ein zentrales Element ist die Repräsentation von Zusatzinformationen (Metadaten)32 als Anmerkungen oder elektronische Karteikarten in einer für Maschinen verständlichen Form. Der Begriff „machine-understandable" (Berners- Lee, 1998a) meint dabei die Befähigung von Maschinen – verstanden als durch Softwareprogramme simulierte abstrakte Maschinen, zum Beispiel künstliche Agenten –, Informationen mit Hilfe der Regeln der Logik zu anderen Informationen in Beziehung zu setzen. Diese Fähigkeit ist auch für die Überprüfung der Vertrauenswürdigkeit wichtig, welche von als Regeln formulierte Konsistenzbedingungen ebenso Gebrauch macht wie vom Quellennachweis durch digitale Unterschrift. Die dabei verwendeten Logiken werden im Abschnitt Logik untersucht.
Ausdrücklich nicht gemeint sind mit „machine-understandable" Techniken des Textverstehens, die bei der Analyse von narrativen Texten im Rahmen der maschinellen Sprachverarbeitung eingesetzt werden (Berners-Lee, 1998b) sowie Maschinenlernen (Berners-Lee, 1998a).
Der Begriff „Semantik" bezieht sich damit zunächst auf die axiomatische Semantik, welche durch einen sog. Hilbertkalkül definiert wird: Zunächst wird eine Menge von Formeln oder Formelschemata angegeben, die a priori als gültige Aussagen (Axiome) angenommen werden. 34 Weiterhin wird eine Menge von (syntaktischen) Ableitungsregeln eingeführt, die aus den Axiomen neue Formeln generieren, welche dann ebenfalls gültige Formeln sind. In einem weiteren Sinne meint der Begriff der Semantik aber auch die modell-theoretische Semantik. Dabei werden die syntaktischen Konstrukte der Logik auf ein mit Hilfe der Mengenalgebra (Mengen, Funktionen, Relationen) entwickeltes Modell eines Gegenstandsbereichs abgebildet. Diese Art der Semantik wurde von Alfred Tarski entwickelt (Tarski, 1944).
Der Begriff der Semantik leitet sich aus dem Aristotelischen Grundmodell der Semiotik als Lehre von den Zeichen ab (Trabant, 1996). Nach diesem Modell steht ein sprachliches Zeichen oder Wort nicht direkt für eine bestimmte Sache der Realität, sondern ist zunächst mit Inhalten des Bewusstseins verbunden. Über diese kann es sich gegebenenfalls auf eine bestimmte Sache in der Realität beziehen. Die Bewusstseinsinhalte vermitteln zwischen dem Zeichen und der Sache.
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