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KulturSchock Brasilien.
Die Aufregungen der Nordhalbkugel dringen nur gedämpft bis an die Copacabana. Kein „Krieg der Kulturen“ wütet in Brasilien – nur ein lehrreicher und angenehmer Kulturschock wartet auf den Leser bzw. Reisenden. Unter den grossen Ländern der Erde – Brasilien ist das fünftgrößte – mag es das friedlichste sein. Dabei gehört das tropische Riesenreich zu den ethnisch und kulturell buntesten Nationen. In Sao Paulo leben Juden und Araber friedlich zusammen; weder werden Sekten verfolgt, noch droht die Abspaltung von Provinzen und die Köpfe schlägt man sich wegen anderer Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung nicht ein.
Die Brasilianer streiten sich nicht um den rechten Glauben, um Dogmen und Lehren, sondern begnügen sich damit, nach wechselnden Moden das eigene Seelenheil zu suchen. Sie lieben das Leben, auch wenn es keinen Glanz bieten mag, viel zu sehr, als sich zu Kamikaze-Aktionen hinreißen zu lassen. Askese, Härte, Fanatismus – das sind nicht ihre Stärken, gottlob.
Doch der Preis, den die Brasilianer für diese Immunität gegen jede Metaphysik und „höhere Ordnung“ zahlen, besteht in mangelnder Gesetzestreue. Dass es schlimmste soziale Ungerechtigkeiten gibt, ist nicht zu verleugnen und die Hemmschwelle für individuelle Delikte ist niedrig.
Der Autor
Carl D. Goerdeler lebt seit 18 Jahren in Brasilien und ist Korrespondent der ZEIT, der SZ und anderer namhafter deutschsprachiger Zeitungen.
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