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Mohammed - Leben und Legende

Mohammed - Leben und Legende

von: Tilman Nagel

Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2008

ISBN: 9783486585346, 1052 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 163,00 EUR

Ersparnis: 15,00 EUR

Mehr zum Inhalt

Mohammed - Leben und Legende


 

4. Handel, Krieg und Kult (S. 48)

Kurz gesagt, die Quraiöiten sahen sich vor die Aufgabe gestellt, eine ber Mekka hinausgreifende politische Ordnung zu gewährleisten, zu deren Aufrechterhaltung sie militärische Mittel einsetzen konnten, und war diese Aufgabe erst gelöst, dann wiederum war die religiöse Beziehung der fremden Stämme zum mekkanischen Heiligtum neu zu justieren, und zwar so, da möglichst viele unterschiedliche Gemeinschaften in ein Verhältnis zu den Quraiöiten eintraten, dessen Ausgestaltung von diesen allein bestimmt werden konnte.

Die rein genealogisch aufgefaßte Loyalität war durch ein anderes Moment zu ergänzen, gewi noch nicht abzulösen. Alles dies entfaltet sich durch das Wirken Mohammeds mit einer vorher nicht geahnten Durchschlagskraft, die Voraussetzungen hierfür wurden jedoch schon in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts geschaffen. Was damals geschah und jetzt zu beschreiben ist, war zunächst defensiver Natur.

Man litt unter dem Unfrieden einer Gesellschaft, der die Abstammung und der Väterruhmì mehr galten als die selbstverantwortete Tat des einzelnen, und man reagierte in unterschiedlicher Weise auf dieses Leiden, bis hin zum anfentum, das jene beiden Werte verwarf. Erst Mohammed ersetzte nach dem Abkommen von al-udaibäja die stammesbergreifende militärische Organisation, die die heidnischen Quraiöiten aufgebaut hatten, durch eine offensive Kampfgemeinschaft, die sich dem Dschihad auf dem Pfade Allahs widmete.

Und diese Umwandlung erfolgte in enger Verquickung mit der von ihm verkndeten Botschaft, deren Inhalt im Prinzip viel radikaler, als es seinen heidnischen quraiöitischen Ahnen denkbar gewesen war, die Genealogie, das überkommene Ordnungssystem der Gesellschaft, in Frage stellte und neu definierte. Es verwundert nicht, da viele dem von ihm gewiesenen Weg nur zaudernd oder gar nicht folgen wollten, ja, Mohammed selber wird zeit seines Lebens nicht bereit sein, aus seiner Botschaft beherzt diese Konsequenzen zu ziehen.

Widmen wir uns vorerst den wesentlich bescheideneren Zielen der Quraiöiten in den Tagen Abd al-MuÅÅalibs und unmittelbar nach ihm! Wir dringen damit bis in die Zeit gegen 600 vor. Denn Abd al-MuÅÅalib verstarb hochbetagt, als Ohrmazd IV. (reg. 578-590) der Schah der Sasaniden war. Zuvorderst hatten sich die Quraiöiten um die Sicherung der Tihama Sorgen zu machen. Es durfte ihnen nicht gleichgltig sein, wer dort das Sagen hatte. Sie selber wären zu gering an Zahl gewesen, um auf Dauer in dem für den Karawanenverkehr unentbehrlichen Kstenstreifen ihren politischen Willen durchzusetzen.

Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als hierfür einen Bund zu nutzen, den sie schon unter Abd Manf aus verschiedenen Stämmen zusammengefgt hatten - und der, glaubt man der Überlieferung, ursprünglich den Sinn gehabt hatte, den Quraiöiten das Überleben an der Kaaba zu sichern. Es sind dies die Abö der Quraiöiten, über deren Geschichte wir zunächst einige Worte sagen mssen.

Sie bildeten bis in die Zeit des Propheten eine gefürchtete Kampftruppe, in Erinnerung an die Schlacht von Uud, die Mohammed gegen die Mekkaner verlor, dichtete der Medinenser Kaäb b. Mlik: Wir trafen auf eine Meereswoge, mitten darin die Abö, einige barhäuptig, andere verschleiert.Die Abö waren die Eidgenossen des al- ri b. Abd Mant b. Kinna, eines Neffen an-Nars, mit dem, wie erinnerlich, manche Genealogen die Quraiöiten beginnen lassen.