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Chinesisches Marionettentheater - Die Vodafone/Mannesmann-Affäre (S. 172-173)
Am 17. Februar 2003 war es nach zwei Jahren Arbeit endlich geschafft: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen im Fall Mannesmann beendet und Anklage wegen Untreue oder wegen Beihilfe dazu erhoben. Es ging um Millionen-Abfindungen, die Anfang 2000 zulasten der Mannesmann-Aktionäre im Zusammenhang mit der Übernahme des Unternehmens durch den britischen Konzern Vodafone an das Management gezahlt worden waren.
Der frühere Vorstandsvorsitzende vonMannesmann, Klaus Esser, und sein Aufsichtsratsvorsitzender und Vorgänger im Amt JoachimFunk sind angeklagt worden sich, aber auch zahlreiche andere begünstigt zu haben. In der Rolle der Mittäter fanden sich der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Josef Ackermann, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Metall Klaus Zwickel sowie der frühere Konzernbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg wieder. Sie sind beschuldigt worden, entgegen besseren Wissens gemeinsam mit den Begünstigten entsprechende Pläne ausgeheckt, wahrheitswidrige Behauptungen gegenüber anderen Aufsichtsratmitgliedern abgegeben und rechtlich ungedeckte Genehmigungen erteilt zu haben, durch die die Aktionäre von Mannesmann geschädigt wurden. Außerdem war noch der frühere Personalvorstand Dieter Droste dabei, der die Detailarbeit bei diesen Deals zu erledigen hatte.
Die ganze Angelegenheit wuchs sich aus vielerlei Gründen zu einem Medienereignis aus: Es lag nicht nur daran, dass die gezahlten Millionensummen als zu hoch betrachtet wurden, die Öffentlichkeit nahm auch kritisch zur Kenntnis, dass sich Klaus Esser öffentlich uneinsichtig zeigte, Klaus Zwickel sich in den Widersprüchen seiner Doppelrolle als Gewerkschaftsfunktionär und Aufsichtsrat verfing und Josef Ackermann versuchte, die Affäre einfach an sich abperlen zu lassen. In Gang gesetzt wurde das ganze Verfahren schon am 7. März 2000, als zwei Rechtsanwälte bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Esser wegen des Verdachts der Untreue erstatteten. Ein Jahr später wurden dann die Ermittlungen aufgenommen, deren Ergebnis in einer 460 Seiten umfassenden Anklageschrift 2003 vorlag. Aber die eigentliche Geschichte und die Geschichte hinter der Geschichte wird man darin vergeblich suchen. Sie begann schon 75 Jahre vorher in China.
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