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Kapitel 2 Burn-out und Bore-out (S. 42-43)
»Jeder Erfolg hat seinen Preis.«
Oliver Stone, Wall Street
Weshalb wir immer zu viel oder zu wenig zu tun haben Eigentlich ist es ein Unwort aus den achtziger Jahren: Der »Burnout « gehört zu lieb gewonnenen Management-Klischees wie der moralische Verfall, den der amerikanische Schriftsteller Bret Easton Ellis in seinem Buch American psycho anprangert oder das irrationale Machtgehabe der Business-Class, über die sein Schweizer Kollege Martin Suter so unterhaltsam parliert. Burn-out, also die besonders ausgeprägte berufliche Erschöpfung, das scheint als ästhetisches Phänomen so passé wie Michael Douglas’ Hosenträger im Wirtschaftsfilm-Klassiker Wall Street von 1987. Als 30 Jahre später zwei Wissenschaftlerinnen eine Studie unter Führungskräften zum Thema Burn-out und dem viel beschworenen Gegenmittel, der Work-Life-Balance unternahmen, sprach einiges dafür, dass die erfolgreichen Manager dieses Thema als reines Medien- oder Mode- Phänomen abtun würden. Umso überraschender ist das Ergebnis der Umfrage, die Ruth Stock-Homburg, BWL-Professorin an der Technischen Universität Darmstadt, mit ihrer Kollegin 2007 unter 42 aktiven und ehemaligen deutschen Topmanagern durchführte: 38 der Befragten räumten der Work-Life-Balance eine große Relevanz ein. Klischee oder nicht – die deutschen Führungskräfte haben offenbar ordentlich Stress.
»Das Thema Work-Life-Balance hat in den vergangenen Jahren an Brisanz gewonnen«, sagt Ruth Stock-Homburg. Sie schätzt die Kosten für den Ausfall von Topmanagern, die an Burn-out-Symptomen leiden, jährlich auf mehrere Millionen Euro. Dagegen hilft Schwitzen und Kuscheln: Über 50 Prozent der befragten Manager brauchen körperliche Bewegung, um richtig abschalten zu können – Sport stellt für sie den wichtigsten Ausgleichsfaktor zum Job dar. An zweiter Stelle kam mit 15 Nennungen die Familie. Beides lässt sich mit ständiger Anwesenheitspflicht im Büro kaum vereinbaren. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer fordert denn auch eine Ergebnis- statt Anwesenheitsorientierung in ihren Firmen. »Im Gegensatz zu anderen Ländern wird in Deutschland gern danach geschaut, welches Auto abends noch auf dem Parkplatz steht«, so Stock-Homburg im manager magazin.
Weniger Freiheit = mehr Stress
Doch nicht nur Manager und Führungskräfte fühlen sich durch die ständige Schreibtischsitzerei ausgebrannt: Vor allem der ganz normale Arbeitnehmer ist den Anforderungen seines Berufslebens offenbar immer weniger gewachsen. Das legen zumindest die Ergebnisse der größten Untersuchung nahe, die je zum Thema Arbeitsbelastung in Auftrag gegeben wurde: Über mehrere Jahre untersuchten Forscher die Gesundheit, Arbeits- und Lebensumstände von rund 10 000 britischen Staatsbediensteten mittleren Alters. Der wichtigste Unterschied in der Stressempfindlichkeit: Je autonomer die Befragten handeln konnten, je mehr Kontrolle sie über ihr Leben, ihre Entscheidungen und ihre Arbeit hatten, desto geringer war ihre Stressanfälligkeit.
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