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3 Knowledge Performance Measurement (S. 35)
Ein ganzheitlicher, prozessorientierter Ansatz zur Ermittlung des Wissenspotenzials in Unternehmen
Dagmar Hildebrand / Henning Dröge
3.1 Einleitung
Seit über zehn Jahren zieht das Thema Wissen in der betriebswirtschaftlichen Literatur und in der Unternehmenspraxis eine wachsende Aufmerksamkeit auf sich. Zurückzuführen ist dies auf die gestiegene Relevanz von Wissen zur Erzielung strategischer Wettbewerbsvorteile in einem sich intensivierenden Wettbewerb, in dem der Wert von Wirtschaftstätigkeiten vermehrt durch die Qualität von Dienstleistungen und intelligenten, kundenzentrierten Produktlösungen bestimmt wird.
Vor diesem Hintergrund wird Wissen in zunehmendem Maße als vierter Produktionsfaktor neben Boden, Kapital und Arbeit betrachtet und nimmt zum aktuellen Zeitpunkt mindestens einen 60-prozentigen Anteil an der Gesamtwertschöpfung eines Unternehmens ein. Das systematische Management dieses kritischen Produktionsfaktors darf hierbei nicht auf spezifische Branchen, Hierarchie- und Größengrenzen beschränkt werden.
Vielmehr sind Führungskräfte und Mitarbeiter im Industrie- und Dienstleistungssektor ebenso tangiert wie international agierende Konzerne oder kleine und mittelständische Unternehmen. In Unternehmen entwickelt sich jedoch zunehmend eine Unsicherheit angesichts der Frage, welche Erfolgspotenziale durch die Einführung von Wissensmanagement realisiert werden können. Die Ursache liegt darin begründet, dass bisher keine Analyseinstrumente vorliegen, die unternehmensspezifische Stärken und Schwächen bereits vor einer Reorganisationsmaßnahme im Bereich Wissensmanagement ganzheitlich identifizieren.
Viele bestehende Ansätze forcieren eine starre, standardisierte Implementierung und vernachlässigen somit die zielgerichtete Potenzialanalyse der spezifischen organisationalen Wissensbasis. Darüber hinaus berücksichtigen die bisherigen Modelle keine ganzheitliche, prozessorientierte Betrachtung des Wissensmanagements, sondern oftmals nur eine einseitige Vorgehensweise.
Dieser Missstand führt zu einer mangelnden Transparenz, die sich dahingehend auswirken kann, dass sich Unternehmen gegen Wissensmanagementmaßnahmen entscheiden oder nur Teilbereiche optimieren. Vor diesem Hintergrund wird ein ganzheitliches, prozessfokussiertes Modell (GPA-Modell) zur Analyse der individuellen Wissensbasis eines betrachteten Unternehmens vorgestellt.
Die diesem Konzept zu Grunde liegende Systematik ist hierbei branchen- und unternehmensgrößenindependent und gewährleistet eine Analyse unabhängig von dem aktuellen Wissensstand der Unternehmung. Um eine gute Verständlichkeit sowie einheitliche Struktur zu gewährleisten, erfolgt die Analyse entlang einer modulsystematischen Vorgehensweise. Hierbei werden die Kernaspekte einer wissensorientierten Unternehmensführung in ihren Ausprägungen und in ihrem Zusammenwirken evaluiert und ausgewertet. Abschließend wird das GPA-Modell anhand eines Praxisbeispiels verifiziert und die Analyseergebnisse werden vorgestellt.
3.2 Bedeutung des Themas und Handlungsnotwendigkeit
Wissensmanagement stellt ein elementares Thema für Unternehmen im heutigen Wettbewerbsumfeld dar. Ergebnisse einer aktuellen Studie der Fraunhofer Wissensmanagement Community im Jahre 2005, bei der 540 Teilnehmer zur Thematik Entwicklung und Trends im Wissensmanagement befragt wurden, bestätigten die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung von Wissensmanagement.
Den Befunden zufolge halten 91 Prozent der befragten Unternehmungen die Thematik für „wichtig" beziehungsweise „sehr wichtig". Im Vergleich zu der Studie aus dem Jahr 1997 stellt dieses eine Abnahme von 5 Prozent dar. Demnach handelt es sich bei Wissensmanagement nicht um eine kurzlebige „Management-Mode", sondern stellt eine grundlegende Herausforderung an Organisationen dar.
Ungeachtet dieses beträchtlichen und kontinuierlichen Zuspruchs ist das erfolgreiche Management von Wissen im Unternehmen nicht selbstverständlich. Ergebnisse verschiedener Studien stellen die Unzufriedenheit der Unternehmen mit der gegenwärtigen Umsetzung von Wissensmanagement dar. Lediglich 24 Prozent der befragten Unternehmen gaben bei der Fraunhofer Wissensmanagement Community Studie an, mit der gegenwärtigen Nutzung des vorhandenen Wissens „zufrieden" zu sein und 28 Prozent bewerteten den unternehmensinternen Wissenstransfer als „zufrieden stellend".
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