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Computer-Supported Cooperative Work

Computer-Supported Cooperative Work

von: Tom Gross, Michael Koch

Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2007

ISBN: 9783486580006, 217 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 26,80 EUR

Ersparnis: 3,00 EUR

Mehr zum Inhalt

Computer-Supported Cooperative Work


 

2.1 Groupware als soziotechnische Systeme (S. 13)
Der Begriff soziotechnisches System wurde in den 1950er Jahren von Trist und Bamforth (1951) am Tavostock Institute London geprägt. Die Wissenschaftler dort fanden in verschiedenen Studien zur Einführung identischer Technologie sehr unterschiedliche Ergebnisse. Die zentrale Erkenntnis der Analyse war, dass es wichtig ist, soziale und technische Systeme gemeinsam und gegenseitig zu optimieren, um ein effektives und effizientes Gesamtergebnis zu erzielen. Dasselbe technische System kann in unterschiedlichen sozialen Umgebungen zu komplett unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Berücksichtigung des sozialen Umfeldes bei der Konzeption oder Einführung einer Technologie, welche die Interaktion in Gruppen beeinflusst oder unterstützt, ist auch und gerade im Bereich CSCW relevant (Mumford, 1987).

2.1.1 Systemtheorie
Die Systemtheorie ist ein multidisziplinärer Wissenschaftsbereich, der sich mit dem Konzept des Systems beschäftigt. Erste Arbeiten gehen zurück auf Ludwig von Bertanlanffy, William Ross Ashby und andere (siehe z.B. Bertanlanffy, 1968), eine für Ingenieure und Informatiker gut geeignete Einführung bietet (Ropohl, 1979).

Grundsätzlich ist ein System eine "Gesamtheit, aus mehreren Einzelteilen bestehende funktionale Einheit, die zur Ausführung einer bestimmten Aufgabe oder einer Reihe von Aufgaben dient .. "(Langenscheidt, 2006). Systeme haben grundsätzlich ein Ziel und Zweck. Dabei kann kein Einzelteil unabhängig von den anderen funktionieren und jedes Einzelteil kann Einfluss auf die anderen Einzelteile haben.

Ein System zeichnet sich des Weiteren durch die Existenz von einem oder mehreren Eingängen und Ausgängen aus. Informationen oder Reize, die das System über die Eingänge erreichen, werden in Prozessen verarbeitet und führen zu Ergebnissen auf den Ausgängen. Ergebnisse können dabei einfache Ausgabegrößen oder auch komplexe Produkte oder Dienstleistungen sein.

2.1.2 Technische Systeme
In der Informatik werden unter dem allgemeinen Begriff System meist technische Systeme verstanden. Technische Systeme sind dadurch gekennzeichnet, dass ihre Prozesse von der Umwelt, d.h. umgebenden technischen Systemen oder bedienenden Menschen, beeinflusst werden. Für die jeweilige Eingabe ist ein entsprechendes Resultat vorhersagbar. Zur Erzielung dieser Resultate folgen die Systeme allgemeinen Prinzipien der Informationsverarbeitung (z.B. geschlossene Regelschleifen). Eingaben und Ausgaben haben klare und eindeutige Ursache-Wirkungsbeziehungen. Des Weiteren können technische Systeme zwischen einem dynamischen und einem statischen Zustand wechseln . d.h. sie können im Gegensatz zu sozialen Systemen ausgeschaltet werden.

Im Bereich CSCW wurden Groupware-Systeme und deren Einführung zunächst vor allem aus einer technischen Perspektive betrachtet, was, wie wir noch sehen werden, oft zu Schwierigkeiten bei der Einführung geführt hat (vgl. Vorwärtsinterpretation von CSCW in Abschnitt 1.1.1).

2.1.3 Soziale Systeme
In der allgemeinen Systemtheorie wird angenommen, dass alle Systeme eine vergleichbare Struktur haben und entsprechend einer klaren Ursache-Wirkungsbeziehung funktionieren. Da diese Annahme für Systeme mit sozialen Akteuren nur bedingt zutrifft, musste eine alternative Beschreibung der Kopplung gefunden werden. Für solche Systeme wurde das Konzept der strukturellen Kopplung entwickelt (Maturana, 1975, 1981).

Diese Unterscheidung zwischen einerseits einer klaren Ursachen-Wirkungsbeziehung in durch die Umwelt gesteuerten Systemen und andererseits autonomen durch die Umwelt beeinflussten und veränderten Systemen ist die grundlegende Unterscheidung zwischen technischen Systemen und sozialen Systemen.

Soziale Systeme und deren Subsysteme sind also im Vergleich zu technischen Systemen nicht im engen Sinne des Wortes steuerbar oder vorhersehbar.