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19 (S. 200-201)
»Die Abfolge der Ereignisse ist interessant«, sagte ich, als wir unter den jetzt wachsamen Blicken der Teenager auf dem Parkplatz zum Wagen gingen. »Janie Ingalls wird Anfang Juni ermordet. Zwei Monate darauf wird Caroline ins Achievement House gesteckt, und Willie kreuzt auf und arbeitet dort drei Wochen lang. Willie wird gefeuert, dann wegen Dealerei verhaftet, und er bringt Boris Nemerov dazu, ihm die Kaution zu stellen. Wann wurde Nemerov in die Falle gelockt?« »Am dreiundzwanzigsten Dezember«, sagte Milo.
»Am Tag, nachdem Caroline Achievement House verlassen hat - ob freiwillig oder unfreiwillig. Vielleicht hat Willie seine Freundin rausgeholt und sie anschließend beiseite geschafft. Oder mit dem Geld der Cossack-Familie wurde für beide ein hübsches Versteck eingerichtet. Und noch etwas: Georgie ist vielleicht nicht deshalb nervös geworden, als du Burns erwähnt hast, weil seine Jungs Burns erledigt hatten, sondern weil sie es nicht getan hatten. Weil sie dafür bezahlt wurden, es nicht zu tun.« »Er hat Geld dafür genommen, dass er den Mörder seines Vaters entkommen ließ? Nein, mein Freund - nicht Georgie.«
»Er und seine Mutter hatten ernsthafte Geldsorgen. Vielleicht war mehr vonnöten als Zwanzig-Stunden-Tage und geschicktes Verhandeln, um die Firma zu retten.« »Nein, das kann ich mir nicht vorstellen«, sagte er. »Georgie war schon immer offen und geradeheraus.« »Du musst es ja wissen.« »Ja, ich bin schließlich ein Hort der Gelehrsamkeit. Komm, wir fahren zu mir und werfen noch mal einen Blick in dieses verdammte Album.« Rick und Milo wohnten in einem kleinen, gepflegten Bungalow in West Hollywood, in einer ruhigen, von Ulmen beschatteten Straße, die durch den bedrohlich aussehenden blauen Klotz des Design Centers noch mehr verdunkelt wurde. Ricks weißer Porsche stand nicht auf seinem Platz, die Jalousien waren geschlossen.
Vor ein paar Jahren hatte Los Angeles eine Dürreperiode durchgemacht, und Rick hatte den Rasen umpflügen und durch Kiesbelag mit graublättrigen Wüstenpflanzen ersetzen lassen. In diesem Jahr hatte L.A. reichlich Wasser, doch die Wüstenlandschaft war geblieben, und jetzt war die bleiche Vegetation mit Wolken von winzigen gelben Blüten geschmückt. Ich sagte: »Die Kakteen gedeihen gut.« »Ja, toll«, meinte Milo. »Besonders, wenn ich im Dunkeln heimkomme und mit der Hose dran hängen bleibe.« »Es geht doch nichts über eine positive Weltsicht.« »Das ist der Kern meiner Philosophie«, entgegnete er. »Das Glas ist entweder halb leer oder kaputt.« Er schloss die Haustür auf, deaktivierte die Alarmanlage, hob die Post auf, die durch den Briefschlitz gefallen war, und warf sie auf den Tisch, ohne in der Bewegung innezuhalten. Die Küche übt auch in seiner eigenen Wohnung oft eine magische Anziehungskraft auf ihn aus, aber diesmal ging er gleich weiter bis zu der Ecke in der Waschküche, die ihm als Arbeitszimmer dient: ein enger, düsterer Winkel, eingeklemmt zwischen Waschtrockner und Gefrierschrank, wo es permanent nach Putzmittel riecht.
Er hatte das »Büro« mit einem hässlichen, postgelb gestrichenen Metallschreibtisch, einem Klappstuhl und einer bemalten Holzlampe aus Bali in Form eines Haifischkopfes eingerichtet. Das blaue Album lag in einem großen verschließbaren Plastikbeutel auf dem obersten Bord eines Mini-Bücherregals, das über dem Schreibtisch montiert war. Er zog sich Handschuhe an, nahm das Album aus dem Beutel, blätterte zu dem Foto von Janie und betrachtete es eingehend. »Irgendwelche spontanen Eingebungen?« »Sehen wir mal, was danach kommt.« Nach Janie kamen nur noch drei Bilder. Drei Tatortfotos, alle drei Opfer junge Männer. Ein schwarzer Jugendlicher, zwei Latinos, alle drei ausgestreckt auf blutbeflecktem Asphalt.
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