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Kapitel 6 (S. 76-77)
Wes saß in seinem Büro und zeigte gerade einem Mitarbeiter aus der Buchhaltung, wie sich ein Problem lösen ließ, als sein Chef hereinkam. »Kann ich Sie sprechen? Sobald wie möglich!«, ließ Jim Barnes vernehmen, und seine Miene verriet, dass er nicht gut aufgelegt war. Gemeinsam gingen sie in Barnes' Büro. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, forderte er Wes auf: »Setzen Sie sich«, und fuhr, nachdem er selbst Platz genommen hatte, fort: »Ich nehme an, Sie wissen, dass Ihre jüngsten Verkaufszahlen gesunken sind?
Gibt es dafür einen Grund, den ich kennen sollte?« Wes fühlte sich kalt erwischt, doch das Problem war ihm durchaus bewusst. »Das Konto in Minnesota, das immer große Beträge aufwies, hängt in den letzten drei Monaten etwas durch. Aber ich denke, das fängt sich wieder. Außerdem gab es verschiedene Wechsel im Personal. Ich arbeite gerade einige neue Mitarbeiter ein, und es dauert eben eine Zeit lang, bis man sie auf Vordermann hat.« »Das ist mir alles bekannt!«, erwiderte Barnes, den die Begründung offensichtlich nicht zufrieden stellte.
»Tatsache ist, dass Sie nicht die Verkaufszahlen liefern, die Sie bisher von Ihren Leuten bekamen. Sie waren bei denen zwar nicht besonders beliebt, brachten es aber immer wieder fertig, ihre Produktivität zu steigern. Nach meiner Überzeugung liegt das Problem darin, dass Sie ein Weichei geworden sind.« »Ein Weichei?« Barnes griff in die Tasche und zog einen kleinen Spielzeugwal mit dem Aufdruck Wal-Erfolg heraus. »So was zum Beispiel«, sagte Barnes angewidert. »Mit solchem Unfug lassen Sie Ihre Leute herumspielen. « »Das sind kleine symbolische Anerkennungen. Sie gehören zu einer . . .« Barnes ließ ihn nicht ausreden. »Dieses neue Vokabular, das Sie da eingeführt haben, ist mir ebenfalls zu Ohren gekommen! Erwischt! Wal-Erfolge?
Was soll der Quatsch?« Uff, dachte Wes bei sich, das hab ich ja kommen sehen . . . »Keine Angst, Jim, das ist eine neue Managementstrategie. Sie ist gut erforscht und wird sich auch bei uns bewähren.« Barnes erhob sich und ging in seinem Büro unruhig auf und ab. »Erforscht! Diese Methode wurde entwickelt, um Wale zu trainieren, Herrgott noch mal!« »Stimmt. Aber es ist eine einfache, grundlegende Strategie, deren Quintessenz darin besteht, positiv statt negativ auf eine bestimmte Leistung zu reagieren. Bisher bin ich jedem, der auch nur den kleinsten Fehler machte, sofort massiv aufs Dach gestiegen und habe gute Leistungen kommentarlos als Selbstverständlichkeit hingenommen. Inzwischen komme ich wesentlich besser mit den Kollegen zurecht.« »Da habe ich was ganz anderes gehört«, brummte Barnes. »Was denn? Kommen Sie, Jim, lassen Sie mich nicht im Ungewissen! Hat sich jemand bei Ihnen über mich beschwert?« Barnes schüttelte verärgert den Kopf. »Ich nenne keine Namen«, sagte er nach einer Pause. »Aber letzte Woche waren in der Tat zwei Leute bei mir, die der Meinung sind, Sie hätten Ihren Biss verloren.
So wie das klang, tanzen in Ihrer Abteilung die Mäuse auf dem Tisch, weil die Katze krank ist.« »Das ist doch lächerlich, Jim! Bloß, weil ich versuche, den Druck ein bisschen zu senken . . .« »Genau da liegt der Hase im Pfeffer!«, schoss Barnes zurück und deutete mit dem Zeigefinger auf Wes. »In Zeiten wie diesen nimmt man keinen Druck raus, da zieht man die Schrauben an! Hören Sie, Wes, wie Sie es machen, ist mir letztlich egal. Aber sehen Sie zu, dass Sie Ihre Zahlen wieder hochbringen! Bill Jaspers hat mir heute Morgen die Hölle heiß gemacht wegen der Gesamtzahlen, und er will, dass die sich ändern. Also tun Sie, was getan werden muss!« »Ja, gut, ich hab's vernommen. Laut und deutlich.«
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