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Management von Kompetenz

Management von Kompetenz

von: Georg Schreyögg, Peter Conrad

Gabler Verlag, 2006

ISBN: 9783834993007, 311 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 69,99 EUR

Ersparnis: 12,96 EUR

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Management von Kompetenz


 

1 Anschlussstellen und Forschungsbedarfe in der Mehrebenenbetrachtung von Kompetenz (S. 123)

Dem Konstrukt der Kompetenz wird in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen, aus denen sich die Managementforschung formiert, hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Kompetenzansatze nach den von ihnen verfolgten Zielgroßen und nach den von ihnen betrachteten Kompetenzebenen systematisieren. So zielen padagogisch-psychologische Konzepte besonders auf die Employability von Individuen ab, ökonomische Ansätze interessieren sich für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder Unternehmenskooperationen. Mit den in unterschiedlichen Disziplinen verfolgten Zielgroßen werden gleichzeitig unterschiedliche Strukturebenen von Kompetenz fokussiert.

Dabei lasst sich für jede Kompetenzebene - Individuum, Gruppe, Organisation und Netzwerk - eine Reihe von Begriffsauslegungen identifizieren. Auf den ersten Blick weisen diese Definitionen kaum Bezüge zueinander auf, das Feld der Kompetenzforschung gilt als fragmentiert. Zumindest bleibt auf diesem Forschungsgebiet angesichts einer Vielzahl von Definitionen eine gewisse Unschärfe zu konstatieren (Sydow et al. 2003, Schreyogg/Kliesch 2003, Pawlowsky et al. 2005, Gillen/Kaufhold 2005). Dies soll durch Abbildung 1, in der unterschiedliche Begriffsfassungen verschiedener Disziplinen für vier Kompetenzebenen zusammengestellt sind, zum Ausdruck gebracht werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es trotz der Heterogenität nicht auch etwas Verbindendes unter den aufgezeigten Begriffsauslegungen gibt, das als gemeinsames Forschungsanliegen der unterschiedlichen Zugänge zum Kompetenzkonstrukt verstanden werden kann. Die Suche nach Gemeinsamkeiten ist nicht nur durch den Wunsch einer einheitlichen Begriffsverwendung motiviert. Sie scheint auch deshalb notwendig, weil in der Forschung ganz selbstverständlich Annahmen formuliert werden, die einen Wirkungszusammenhang zwischen den Kompetenzebenen herausstellen. Beispielsweise wird organisational Wettbewerbsfähigkeit auf Humanressourcen und individuelle Lernprozesse zurückgeführt (Hatch/Dyer 2004) oder mit Netzwerkbeziehungen begründet (Dyer/Singh 1998, ausführlich dazu Abschnitt 3).

Um solche Annahmen systematisch prüfen zu können, bedarf es eines einheitlichen Argumentationsrahmens für die unterschiedlichen Betrachtungsebenen, dessen Ursprung in einem einheitlichen Kompetenzverständnis zu sehen ist. Das Verbindende zwischen unterschiedlichen Kompetenzkonstrukten gewinnt an Kontur, wenn man die Zielsysteme bzw. Erfolgskriterien der Forschungsansätze in die Analyse einbezieht (siehe Abb. 1). Die pädagogische Forschung stellt die selbstorganisatorischen und schöpferischen Fähigkeiten des Individuums in den Mittelpunkt.

Es geht ihr um die Forderung der individuellen Fähigkeit zum lebenslangen Lemen als Voraussetzung dafür, die Beschäftigungsfähigkeit unabhängig von einem bestimmten betrieblichen Kontext oder Anforderungsbereich zu sichern (Baitsch 1996, Arnold 1997, Sauer 2002). Parallel dazu interessieren sich die Sozialpsychologie und die soziologisch geprägte Organisationsforschung für die Kompetenz kollektiver Systeme. Hier werden die Selbstorganisationsfähigkeiten sowie Lem- und Entwicklungsprozesse von Gruppen bzw. Organisationen, die im Interaktionsgeschehen und der Unternehmenskultur verankert sind, beleuchtet (z.B. Schreyogg/Kliesch 2003).

Schließlich werden in der Wettbewerbstheorie capabilities als Quelle nachhaltiger Wettbewerbsvorteile von Organisationen oder Netzwerken betrachtet, durch die eine dauerhafte ökonomische Rente generiert werden kann (Barney 1991, Teece et al. 1997, Dyer/ Singh 1998, Zaheer/Bell 2005).

Ein erstes gemeinsames Merkmal in den auf unterschiedliche Ebenen gerichteten Kompetenzdefinitionen lasst sich also darin erkennen, dass Kompetenz entweder als Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit verstanden wird oder als unmittelbare Voraussetzung, um Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit zu erlangen und zu erhalten. „Kompetenz ist ein handlungsbezogenes Konstrukt, das sich in einer erfolgreichen Bewältigung von Problemsituationen niederschlägt" (Schreyogg/Kliesch 2003, S. 22). Hinter der Auseinandersetzung mit dem Kompetenzkonstrukt steht das Anliegen, etwas über die Handlungsfähigkeit einer betrachteten Einheit auszusagen.